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Riociguat - ein völlig neuer Therapieansatz bei Lungenhochdruck zeichnet sich ab

Anwendung: Pulmonale Hypertonie
riociguat

Schätzungen gehen davon aus, dass mindestens 40.000 Österreicher, darunter viele Kinder und Jugendliche, an Lungenhochdruck leiden. Die Dunkelziffer ist auf Grund der schwierigen Diagnose hoch, es werden bis zu 200.000 Betroffene vermutet. Die unspezifischen Frühsymptome, wie Müdigkeit, Herzklopfen oder Atemnot schon bei normaler Belastung werden oft nicht richtig zugeordnet oder als Folge mangelnder Kondition abgetan. Bei der pulmonalen Hypertonie (PAH) wird durch Druckerhöhung im Lungenkreislauf über das normale Maß hinaus und zunehmenden Widerstand die rechte Herzhälfte überbeansprucht - mögliche Folge ist ein tödliches Rechtsherzversagen.

Die Entstehung des pulmonalen Hochdrucks wird heute als Folge einer “fehlgesteuerten” Wundheilung nach Gewebsschädigung gesehen, bei der die Lungenarterien durch übermäßiges Remodeling fortschreitend eingeengt werden. Dadurch wird der Blutfluss durch die Lungen zunehmend erschwert und es kommt zu einer zunehmenden Rechtsherzbelastung. Als Auslöser der Erkrankung werden einerseits genetische Faktoren (in Österreich sind sieben Neugeborene pro Jahr betroffen), andererseits Bindegewebserkrankungen, chronischer Sauerstoffmangel, Herzklappenfehler oder Scheidewanddefekte verantwortlich gemacht. Auch 15% der Raucher entwickeln eine pulmonale Hypertonie. Gekennzeichnet ist die pulmonale Hypertonie durch einen mittleren pulmonal-arteriellen Blutdruck > 25 mm Hg in Ruhe oder > 30 mm Hg unter Belastung. Die durchschnittliche Lebenserwartung ohne Therapie beträgt etwa 3 Jahre ab Diagnose. Durch engmaschige therapeutische Betreuung kann zwar die Lebenserwartung verlängert werden, eine Heilung ist mit Ausnahme durch Lungentransplantation jedoch nicht möglich. Geht man von einer zu hohen vasokonstriktorischen Endothelinaktivität aus, erscheint es plausibel, dass sich vor allem die Endothelinantagonisten Bosentan (Tracleer®), Sitaxentan (Thelin®), Ambrisentan (Volibris®) für die Therapie eignen; weiters werden noch das Prostacylin-Analogon Iloprost (Ventavis®) und der PDE-5-Hemmer Sildenafil, das für diese Indikation als Revatio® im Handel ist, eingesetzt. Als Molekül des Monats März 2009 wurde von Prous Science der neue Wirkstoff Riociguat mit der Indikation pulmonale Hypertonie gewählt. Riociguat ist das erste Präparat einer neuen Klasse von Gefäß erweiternden Substanzen – den Stimulatoren der löslichen Guanylatcyclase (sGC).Die lösliche Guanylatcyclase ist ein Rezeptor für Stickstoffmonoxid (NO). Durch Bindung von NO an die prosthetische Hämgruppe wird die sGC aktiviert und es kommt durch eine gesteigerte Bildung des “second messenger” cGMP über verschiedene Effektorsysteme letztendlich zu einer Gefäßerweiterung. Dieser neue Ansatz dürfte sich offenbar zur Behandlung der pulmonalen Hypertonie eignen, wie die positiven Ergebnisse aus der klinischen Entwicklungsphase II vermuten lassen. Inzwischen wurde das Phase-III-Programm mit dem als Tablette einzunehmenden Wirkstoff Riociguat begonnen. In zwei Phase-III-Studien soll die Anwendung sowohl bei der chronisch thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH) als auch bei der pulmonalen arteriellen Hypertonie (PAH) untersucht werden. Im Vergleich zu den Ausgangswerten verbesserte es die körperliche Belastbarkeit und die hämodynamischen Parameter signifikant, wie beispielsweise den Gefäßwiderstand in der Lunge, das Herzminutenvolumen und den Blutdruck in den Lungenarterien. Die beiden Phase III Studien – CHEST-1 (Chronic Thromboembolic Pulmonary Hypertension sGC Stimulator Trial) und PATENT-1 – (Pulmonary Arterial Hypertension sGC Stimulator Trial) sollen die Wirksamkeit und Sicherheit von Riociguat überprüfen. Über 700 Patienten nehmen an beiden Studien teil.

Hersteller: Bayer Schering (D).

Literatur:

http://swiss-press.com/newsflashartikel.cfm?key=357078;

http://www.journalmed.de/newsview.php?id=23129;

http://www.prous.com/molecules/default.asp?ID=182,

Autor

Ao. Univ.-Prof., Dr. rer. nat., Mag. pharm. Helmut Spreitzer

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