Rivaroxaban (Xarelto®)
Mit Rivaroxaban (Xarelto®) der Firma Bayer steht seit November 2008 ein neuer oraler Faktor-Xa-Hemmstoff zur Verfügung, der zur Thromboseprophylaxe nach Knie- oder Hüftgelenkersatz-Operationen zugelassen ist.
Kurzinformation
Präparat Xarelto®
Wirkstoffgruppe Antithrombotikum (Oxazolidinon)
Wirkmechanismus es kommt zu einer direkten Hemmung des Faktor-Xa in der Blutgerinnungskaskade;
Indikation postoperative Thromboseprophylaxe nach elektiven Hüft- oder Kniegelenkersatzoperationen;
Nebenwirkungen Blutungen, Anämie, Transaminaseanstieg, ZNS (Schwindel), Magen/Darm, Niere, Haut, Ödeme, selten Leber.
Interaktionen nicht empfohlen wird die gleichzeitige Einnahme von Azol-Antimykotika (Ketoconazol, Itraconazol) und Proteasehemmern; Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme anderer Gerinnungshemmer und Thrombozytenaggregationshemmer (erhöhte Blutungsgefahr); starke Cyp3A4-Induktoren (Phenytoin, Carbamazepin, Phenobarbital, Johanniskraut) sollen mit Vorsicht gleichzeitig angewandt werden;
Kontraindikationen Schwangerschaft und Stillzeit; Kinder, Jugendliche; akute Blutungen, Leberschäden mit erhöhten Blutungsrisiko;
Dosierung 1 mal täglich 1 Tablette (10mg Rivaroxaban); erste Gabe 6 - 10 Stunden nach der Operation; Dauer der Behandlung: 2 - 5 Wochen;
Halbwertszeit 7 - 11 Stunden
Bioverfügbarkeit 80% bis 100%
Zeitraum bis zur max. Plasmakonzentration: 2 bis 4 Stunden
Rivaroxaban
Rivaroxaban wirkt direkt über eine Hemmung des Faktors Xa, eines Schlüsselenzyms der Gerinnungskaskade und ist gut steuerbar. Während die Bildung von Thrombin und Blutgerinnseln inhibiert wird, bleiben Thrombin selbst und die Thrombozyten unbeeinflusst, sodass die Blutgerinnung als Reaktion auf Gewebeschäden erhalten bleibt. Die primäre Hämostase bzw. die Plättchenaggregation ist also von der Hemmung nicht betroffen.
Da Rivaroxaban nicht durch Enzyme des Cytochrom-P450-Systems metabolisiert wird, muss man mit relativ wenigen Wechselwirkungen rechnen und eine Überwachung der Gerinnungsparameter während der Behandlung ist nicht erforderlich.
Der zur Thromboseprophylaxe nach Hüft- oder Kniegelenkersatz-Operationen zugelassene Wirkstoff wird in breit angelegten Studien auch in anderen Indikationsgebieten wie zur Prävention von Schlaganfall bei Patienten mit Vorhofflimmern und zur Sekundärprophylaxe nach akutem Koronarsyndrom getestet. Auch die fehlende Lebertoxizität wird in Langzeitstudien weiterhin überprüft.
Blutgerinnung
Bei einer Verletzung setzt zur Verhinderung einer lebensgefährlichen Blutung Hämostase (Blutstillung) ein, die mit der primären Hämostase beginnt, wobei die Thrombozyten an die kollagenen Bindegewebsfasern der Wundränder anheften und einen pfropfartigen Verschluss bilden (Thrombozytenpfropf; reversible Thrombozytenaggregation). Die sekundäre Hämostase erfolgt auf zwei Wegen: dem extravaskulären Weg (Extrinsic-System) und dem intravaskulären Weg (Intrinsic-System). Auf der Stufe der Aktivierung des Faktors X beginnt die gemeinsame Endstrecke beider Systeme.

Nach einer Operation ist durch die großflächigen Verletzungen das Blutgerinnungssystem sehr aktiv, was einerseits der Wundheilung dient, andererseits auch eine Thrombusbildung an anderen Stellen des Organismus auslösen kann. In der Folge kann es dann zum Loslösen solcher Thromben kommen, die die Blutgefäße verstopfen und die lebenswichtige Sauerstoffzufuhr zum Herzen oder zum Gehirn unterbrechen, oder zu lebensgefährlichen Lungenembolien führen.
Blutgerinnungshemmer
Vitamin K - Antagonisten: hemmen Vitamin K - abhängig die Gerinnungsfaktoren XII, IX und X (Phenprocoumon, Warfarin); zu ihren Nachteilen zählen der langsame Wirkungseintritt, das schmale therapeutische Fenster, zahlreiche Interaktionen mit anderen Arzneimitteln und Nahrungsmitteln, laufendes Blutgerinnungsmonitoring zur Vermeidung von Blutungen;
Heparine: aktivieren Antithrombin, das wiederum Thrombin und andere Serin-Proteasen hemmt. Heparine können eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie (Blutplättchenmangel) auslösen, was eine regelmäßige Überwachung der Thrombozytenzahl erfordert.
Niedermolekulare Heparine: Hemmung des Faktors Xa; als Nachteil ist zu werten, dass es subcutan appliziert werden muss;
Dabigatran (Pradaxa®): direkter Thrombinhemmer, indem es an das aktive Zentrum von Thrombin bindet. - Der erste oral applizierbare direkte Thrombininhibitor war Ximelagatran, der 2004 eingeführt wurde und 2006 wegen seiner leberschädigenden Wirkung wieder vom Markt genommen wurde.
Rivaroxaban: mit der direkten Hemmung des Faktors Xa wird die Umwandlung von Prothrombin zu Thrombin und gleichzeitig die Umwandlung von Fibrinogen zu Fibrin, sowie die Thrombozytenaktivierung verhindert; der Vorteil dieses neuen Antithrombotikums ist die orale Arzneiform;
Literatur
Jasek, Wolfgang; Austria-Codex Fachinformation, 61. Aufl., Bd. 1-4, Österr. Apotheker-Verl., Wien, 2008/2009.
Klement, Alfred; ÖAZ, 62, 23, 1182, (10.11.2008).
DAZ 08/45, Neuer Faktor-Xa-Inhibitor Orale Thromboseprophylaxe mit Rivaroxaban (06-11-2008).
Mutschler, E. et al., Arzneimittelwirkungen, 8., völlig neu bearb. u. erweit. Aufl., wiss. Verl. Ges. mbH, Stuttgart, 2001.
Marco P, Tarin F, Lucas J, New oral anticoagulants: molecular characteristics, mechanisms of action, pharmocokinetics and pharmacodynamics, Med Clin (Barc). 2008 Nov;131 Suppl 2:66-9.




Mir wurde nach den Knieoperationen Thrombo Ass 100mg auf Dauer verordnet! Unterschied zu rivaroxaban?
Mit freundlichen Grüßen Erich Schaflinger
Der Unterschied besteht im Wirkungsmechanismus: während Xarelto® in die Blutgerinnungskaskade eingreift, hemmt Thrombo ASS® (Acetylsalicylsäure) über die Hemmung der Enzyme Cyclooxigenase 1 und 2 die Thrombozytenaggregation und verhindert auf diesem Weg die Bildung von Thrombosen.
Ein weiterer Unterschied liegt auf der Kostenebene: 100 Stück Thrombo ASS® 100 mg kosten € 5,30 und 100 Stück Xarelto® kosten € 776,35.
Als Markumar-Patient (par. VHF) bin ich sehr an Xarelto interessiert, da es die Blutgerinnung hemmt ohne die Nachteile von Markumar: Lang anhaltende offene Blutungen, penible Kontrolle der INR, Dosierungsprobleme und innere Blutungen bei Überdosierung.
Doch so lange der Preis nicht geringer wird und Xarelto nicht für VHF zugelassen ist, ist wohl nicht mit einer Xarelto-Dauertherapie zu rechnen. Ich vermute, dass der Preis von 776,35 € für 100 Tabl. (ca. 3000 €/Jahr) die Dauermedimentation verhindern soll, damit weiterhin Markumar mit teurem Coagucheck-Gerät und -Teststreifen benötigt werden???
Solange breit angelegte Studien in anderen Indikationsgebieten (die Zulassung bezieht sich nur auf postoperative Thromboseprophylaxe nach Hüft- oder Kniegelenkersatzoperationen) nicht abgeschlossen sind, liegt es, abgesehen von den hohen Kosten, auch im Sinne der Arzneimittelsicherheit, dass Rivaroxaban nicht allgemein eingesetzt wird.
Vielen Dank für die Antwort! Aber die Kosten sind doch wohl so hoch angesetzt, damit Markumar weiter gut laufen kann. Ich habe gelesen, dass Xarelto klinisch als Markumar-Ersatz erprobt wird - und wer Markumar nimmt weiß, wie lästig die Blutstillung bei kleinen Verletzungen ist und wie groß die täglichen Vorteile von Xarelto wären!
Das “Preisverhalten” erinnert mich an das Medikament, dass die Bildung von Blutgefäßen bei Makula-Degeneration und auch bei Krebs verhindert, für Makula-Degeneration zwar wirksam, aber nicht zugelassen. Der Preis der nicht zugelassenen Spritze 50 €, der Preis des gleichen Wirkstoffs, zugelassen für Makula-Degeneration: 1500 €/Spritze!
Hallo
Ich habe mich gestern mein Knie schwer verletzt und muss nun 4 Wochen auf meine OP warten. Da ich an Krücken gehen muss und ein sehr geschwollenes Knie habe müsste ich eigentlich Trombose Spritzen verabreicht bekommen. Da ich eine panische Angst vor Spritzen habe möchte ich die Xarelto-Tabletten einnehmen, jedoch habe ich von vielen Nebenwirkungen gehört. Hat jemand schon Erfahrungen mit diesen Tabletten gemacht?
Herzlichen Dank für ihre Antworten.
Beste Grüsse,
Nadja
Xarelto hatte gewaltige Nebenwirkungen nach der Kniegelenkersatz-OP meiner Frau (64). Nach 12 Tagen begann es mit Unwohlsein, Überkeit, grippeähnliche Symptome, unkontrollierte Gliederbewegungen, fast wie Parkinson und zuletzt plötzliche Bewustlosichkeit.
Die Anwendung wurde, in tel. Abstimmung mit dem OP-Arzt, sofort eingestellt und ersatzweise das bewährte Fraxiparin gespritzt. Die Nebenwirkungen vom Xarelto schwächten sich nach 24h ab und gingen innerhalb von 48h weiter zurück.
Xarelto sollte nicht weiter eingesetzt werden, aber es ist 80% teurer als das bewährte Fraxiparin.
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