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Telavancin (Arbelic®)– Hoffnung auf ein neues Reserveantibiotikum

Anwendung:    Glykopeptid-Antibiotikumtelevancin1

Prous Science wählte als „Arzneistoff des Monats Jänner 2009“ das Glykopeptidantibiotikum Telavancin. Dieses Antibiotikum wird halbsynthetisch aus Vancomycin hergestellt. Damit steht eine Verbindung im Mittelpunkt, dessen Wirkung sich gezielt gegen Problemkeime, wie Methicillin-resistente Staphylococcus-aureus-(MRSA)-Stämme und Vancomycin-resistente Enterokokken (VRE) richtet. Weltweit ist eine kontinuierliche Zunahme von Organ- und Systeminfektionen durch derartige, oder auch gegen andere Standardantibiotika resistente Keime, zu verzeichnen. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass bei MRSA-Keimen ein ausgeprägtes Nord-Süd-Gefälle besteht. So liegt die Rate in Skandinavien bei nur 1 %, in südeuropäischen Ländern hingegen steigt sie auf bis zu 30 % an. Bei MRSA-Stämmen handelt es sich um Staphylococcus aureus Stämme, gegen die alle Beta-Lactam-Antibiotika (Penicilline, Cephalosporine, Carbapeneme) einschließlich des Penicillinase-resistenten Methicillins (Oxacillin, Flucloxacillin), oftmals aber auch andere Antibiotika-Gruppen (wie Makrolide, Clindamycin, Fluorchinolone) ihre Wirksamkeit verloren haben. Hilfe boten in diesen Fällen lange Zeit nur mehr die Glykopeptide Vancomycin und Teicoplanin. Deren häufiger Einsatz führte aber auch hier zu einer allmählich zunehmenden Resistenzentwicklung. Erste klinische Studien bei komplizierten Haut-Weichteil-Infektionen erbrachten sehr gute Resultate betreffend sowohl die klinischen Heilungsraten als auch die Verträglichkeit. Auf Grund der pharmakokinetischen Eigenschaften, die biologische Halbwertszeit beträgt etwa 9 Stunden, erfolgt eine einmal tägliche intravenöse Verabreichung. Damit geht auch eine ausreichend gute Steuerung der Serumspiegel einher. Telavancin besitzt einen ungewöhnlichen dualen Wirkungsmechanismus. Im Gegensatz zu anderen Glykopeptidantibiotika hemmt es nämlich nicht nur die bakterielle Zellwandsynthese sondern führt zusätzlich noch eine Depolarisation der bakteriellen Plasmamembran herbei, was deren Permeabilität erhöht bzw. deren Integrität zerstört. Telavancin besitzt dadurch ein ausgesprochen breites Wirkungsspektrum. In diversen Tierinfektionsmodellen zeigte sich Telavancin im Vergleich zu anderen Testverbindungen (Vancomycin, Nafcillin, Linezolid) als überlegen. Auch in einem in-vitro-Biofilmmodell war Telavancin gegenüber Problemkeimen wie Staphylococcus aureus und Koagulase-negativen Staphylokokken den Antibiotika Teicoplanin und Vancomycin überlegen, wobei die Erreger aber nicht gänzlich eliminiert werden konnten. Wirksamkeit gegen Bakterien, die in Form von Biofilmen vorliegen, ist eine sehr wichtige Eigenschaft, da in diesen Fällen die Behandlung bekanntermaßen äußerst schwierig ist. Derzeit liegen zwei aussagekräftige Phase III Studien vor (ATLAS 1 und ATLAS 2). Diese randomisierten, multizentrischen Doppelblindstudien schlossen insgesamt 1867 Patienten ein, wovon 719 Infektionen mit MRSA-Keimen aufwiesen. Im Vergleich der Wirksamkeit und hinsichtlich des Sicherheitsprofils kann Telavancin ähnlich wie Vancomycin bewertet werden; d.h., es kann von einer guten Verträglichkeit ausgegangen werden. Als häufigste unerwünschte Nebenwirkung (ca. 15 %) traten Übelkeit, Beeinträchtigungen des Geschmackssinns und Schlafstörungen auf. Schwere Nebenwirkungen traten jedenfalls in weniger als 1 % auf. Die Dosierung liegt bei 7.5 kg/kg täglich i.v. Telavancin zeigte eine gute Penetration in die Alveolarepithelflüssigkeit, Alveolarmakrophagen und Haut, auch nach serieller Passage konnte keine Resistenzentwicklung beobachtet werden.

Hersteller: Theravance, Inc. (US).

Quellen: http://www.prous.com/molecules/default.asp?ID=180, Drug Molecule of the Month January 2009; Drugs of the Future 2004, 29(12), 1211-1219; http://www.aerztekammer-bw.de/25/10praxis/88arzneimitteltherapie/0712.pdf; http://www.drugs.com/nda/telavancin_081120.html

Autor

Ao. Univ.-Prof., Dr. rer. nat., Mag. pharm. Helmut Spreitzer

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