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TESOFENSIN - wieder ein “Wundermittel” zum Abnehmen ?

Anwendung: Adipositastesofensin

Tesofensin ist der neue Hoffnungsträger für alle, die es nicht schaffen, ihr Übergewicht durch Diät, Bewegung und Disziplin loszuwerden. Was Tesofensin auszeichnet, ist dessen dreifacher Wirkansatz: Es hemmt präsynaptisch die Aufnahme von Noradrenalin, Dopamin und Serotonin.

Demzufolge können diese Botenstoffe im Gehirn länger zirkulieren. Jeder dieser Transmitter übt unter anderem auch eine wichtige Funktion beim Appetitempfinden aus, wobei die Wirkorte dieser Monoamine im Gehirn unterschiedlich sind. So wirkt Dopamin im Nucleus accumbens im Vorderhirn und moduliert dort die Belohnungs- und Wohlfühlempfindungen. Die beiden anderen Transmitter entfalten ihre Wirkung im Hypothalamus und steigern folglich den Metabolismus und reduzieren den Appetit. Das bedeutet, dass Tesofensin nicht nur in den Haushalt der angeführten drei Monoamine eingreift, sondern diese Aktivität auch in zwei unterschiedlichen Gehirnarealen entfaltet. Laut bisherigen Studien soll Tesofensin bei starkem Übergewichtigen (BMI zwischen 30 und 40) einen doppelt so hohen Gewichtsverlust wie bisherige Appetitzügler ermöglichen. Alle Patienten erhielten eine kalorienreduzierte Diät und wurden entweder für Placebo oder Tesofensin in drei verschiedenen Dosierungen (0.25mg/ 0.50 mg/ 1.0 mg) randomisiert. Nach einer Beobachtungszeit von 24 Wochen hatten die Patienten mit der höchsten Dosis Tesofensin am meisten abgenommen (0.25mg-Gruppe: 6,7kg/ 0.50mg-Gruppe: 11,3kg/ 1.0mg-Gruppe: 12.8kg). Dies bedeutet, dass Tesofensin doppelt so wirksam war, wie die beiden Appetithemmer  Sibutramin (Reductil®) und Rimonabant (Acomplia®). Als unerwünschte Wirkungen traten trockener Mund, Übelkeit, Obstipation, harte Stuhlgänge, Durchfall und Schlaflosigkeit auf. Solange jedenfalls keine Langzeitstudien über eventuelles Suchtpotential und andere psychische Nebenwirkungen vorliegen, können die Ergebnisse dieses neuen Appetitzüglers mit zentraler Wirkung nur mit großer Vorsicht kommentiert werden. So wurde erst kürzlich der Cannabis-Antagonist Rimonabant (Acomplia®), dessen Markteinführung anfänglich auch von großer Euphorie begleitet war, im Oktober 2008 von den EU-Behörden wegen starker psychiatrischer Nebenwirkungen (Depressionen, Suizidrisiko) vom Markt genommen. Auch der Serotonin- und Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Sibutramin (Reductil®) ist inzwischen auf Grund unerwünschter Wirkungen wie Blutdruckanstieg und kardiovaskuläre Komplikationen umstritten. Eine positive Nachricht betrifft hingegen Xenical® mit dem Wirkstoff Orlistat. Es soll zukünftig – wie bereits seit 2007 in den USA – für die Selbstmedikation in einer Dosis von 60 statt 120 mg erhältlich sein, um Erwachsene bei einer diätetischen Abnahme zu unterstützen. Orlistat wirkt bekanntlich lokal im Magen-Darm-Trakt und hemmt dort die Fett zerlegenden Enzyme. Die Hauptfunktion ist somit die Verringerung der Fettresorption aus der Nahrung. Trotz Wegfall der Rezeptpflicht sollten Patienten sich aber auch weiterhin ärztlich untersuchen lassen. Zudem rät die EMEA, das Mittel erst ab einem BMI von 28 oder darüber anzuwenden. Es bleibt also fraglich, ob das bereits in vielen Medien geradezu als „Wunderpille gegen Übergewicht“ gepriesene Tesofensin tatsächlich die Erwartungen erfüllen wird. Tesofensin wurde jedenfalls ursprünglich bei Parkinson- und Alzheimer-Patienten eingesetzt. Dabei entdeckte man, dass es bei den Studienteilnehmern zu Gewichtsverlusten führte.

Hersteller: NeuroSearch (DK).

Quellen: http://www.medknowledge.de/neu/med/jahr/2008/IV-2008-33-tesofensin.htm

http://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(08)61525-1/abstract

http://pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=7131

http://www.neurosearch.com/Default.aspx?ID=118.

Autor

Ao. Univ.-Prof., Dr. rer. nat., Mag. pharm. Helmut Spreitzer

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Ein Kommentar zu “TESOFENSIN - wieder ein “Wundermittel” zum Abnehmen ?”

  1. Ilse Potholi sagt:

    Und es gäbe noch so viele Themen, die noch nicht gebloggt wurden.

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