Eltrombopag (Revolade®, Promacta®)
Mit Eltrombopag steht ein Wirkstoff zur Verfügung, der sich in Studien zur Therapie der Thrombozytopenie bei Morbus Werlhof (ITP) und einer Hepatitis C-assoziierten Leberzirrhose als wirksam erwiesen hat. GlaxoSmithKline hat den Zulassungsantrag für Revolade® zur Behandlung von ITP Ende 2007 bei der FDA eingereicht und der Zulassungsantrag für Europa bei der EMEA soll noch dieses Jahr folgen.
Zwei Phase-III-Studien bei Patienten mit Hepatitis-C-induzierter Thrombozytopenie sind noch im Laufen.
Kurzinformation
Präparat Revolade®, Promacta®
Wirkstoffgruppe Thrombopoetin-Rezeptoragonist
Wirkmechanismus Eltrombopag bindet an den Thrombopoetin-Rezeptor und aktiviert ihn;
Indikation Morbus Werlhof oder ITP (idiopathische Thrombozytopenische Purpura)
Nebenwirkungen es wurden keine signifikanten Nebenwirkungen beobachtet;
Dosierung 1 mal täglich 50 mg bzw. 75 mg;
Eltrombopag
Der oral applizierbare Agonist des Thrombopoetin(TPO)-Rezeptors besitzt keine strukturelle Ähnlichkeit mit Thrombopoetin, sondern bindet an den TPO-Rezeptor und aktiviert ihn, was zu einer Steigerung der Thrombozytenproduktion führt. Der Erfolg bei der Behandlung von ITP mit Eltrombopag ebnete den Weg für die Testung des Arzneimittels zur Erhöhung der Plättchenzahl bei Hepatitis-C-Virus(HCV)-Infektionen. Obwohl die Erfahrungen bei der Therapie von Hepatitis C geringer sind, als bei ITP sind die Ergebnisse der Untersuchungen doch viel versprechend, zumal die Zahl der Hepatitis C-Erkrankten (170 Millionen Menschen weltweit) im Verhältnis zu Morbus Werlhof bedeutend ist.

Morbus Werlhof
Die idiopathische thrombozytäre Purpura (ITP) tritt als Folge eines Autoimmunprozesses auf und geht mit einer verlängerten Blutungszeit bei normaler Gerinnungszeit und verkürzter Thrombozytenlebensdauer einher. Sie tritt in zwei Formen auf:
Die akute ITP kommt hauptsächlich bei Kindern vor und wird meist infektiös-toxisch oder medikamentös ausgelöst.
Bei der chronischen Form, die überwiegend bei Erwachsenen auftritt, sind in 10 - 60% Autoantikörper nachweisbar, verbunden mit einer gesteigerten Zerstörung der Blutplättchen (Thrombozyten) in der Milz.
Die Behandlung erfolgt durch Immunsuppression (Kortikoide), durch Splenektomie (Beseitigung der Milz, dem Organ, in dem die Thrombozyten zerstört werden) oder durch Steigerung der Thrombozytenproduktion. Nachdem sich die Gabe von Thrombopoetin, dem körpereigenen Wachstumshormon für Thrombozyten, als problematisch erwiesen hat, kam es zum Einsatz von künstlichem Thrombopoetin, das allerdings parenteral appliziert werden muss.
Es ist daher als großer Vorteil zu werten, dass mit dem Wirkstoff Eltrombopag eine orale Therapie ermöglicht wird.
Hepatitis C
Es handelt sich dabei um eine akute Entzündung der Leber, die von einem RNA-Virus hervorgerufen wird. Außer den Leberzellen werden durch das Virus auch Knochenmarkstammzellen und Blutlymphozyten infiziert. Man unterscheidet derzeit 6 HCV-Genotypen und eine größere Zahl von Subtypen. Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich parenteral, in vielen Fällen bleibt der Übertragungsweg jedoch unbekannt. Mehr als die Hälfte der Erkrankungen verläuft chronisch und in bis zu 30-40% ist mit einer Leberzirrhose oder einem Leberzellkarzinom zu rechnen. Bei der Mehrzahl verläuft die Infektion anikterisch (ohne Gelbfärbung) mit unspezifischen Symptomen oder komplett ohne Symptome.
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Da Thrombopoetin hauptsächlich in der Leber produziert wird, kommt es bei fortschreitender Erkrankung zur Thrombozytopenie, die eine antivirale Therapie unmöglich macht und daher therapielimitierend wirkt. Die Zusatztherapie mit Eltrombopag ermöglicht es, die antivirale Behandlung abzuschließen.
Literatur
Panzer S, Eltrombopag in chronic idiopatic thrombocytopenic purpua and HCV-related thrombocytopenia, Drugs Today (Barc) 2009 Feb;45(2):93-9.
Stasi R, Evagelista ML, Amadori S, Novel thrombopoietic agents: a review use in idiopathic thrombocytopenic purpura, Drugs, 2008;68(7):901-12.
Kuter DJ, New drugs for familiar therapeutic targets: thrombopoietin receptor agonists and immune thrombocytopenic purpura, Eur J Haematol Suppl, 2008 Feb;(69):9-18.
Giannini EG, Savarino V, Thrombocytopenia in liver disease, Curr Opin Hematol, 2008 Sep;15(5):473-80.
Mutschler, E. et al., Arzneimittelwirkungen, 8., völlig neu bearb. u. erweit. Aufl., wiss. Verl. Ges. mbH, Stuttgart, 2001.
EMEA European Medicines Agency, Pre-authorisation Evaluation of Medicines for Human Use, Doc.Ref.:EMEA/COMP/287945/2007 Rev.1 Committee for orphan medicinal products public summary of positive opinion for orphan designation of eltrombopag olamine for the treatment of idiopathic thrombocytopenic purpura. http://www.emea.europa.eu
Tags: Blutgerinnung, Blutplättchen, Hepatitis C, ITP, Morbus Merlhof, Thrombopenie, Thrombozyten




Die Zulassung von Revolade® erfolgte am 11. März 2010 und ist seit Mai 2010 im Handel.
Die Zulassung gilt für erwachsene Patienten, die an chronischer immunthrombozytopenischer Purpura leiden, deren Milz operativ entfernt wurde und bei denen eine andere Therapie zu keinem Erfolg führte.
Revolade ist Mittel 2. Wahl für erwachsene nicht splenektomierte Patienten bei Kontraindikation gegen Operation.
Revolade 25 mg 14 Stk. kostet € 989,80
Revolade 50 mg 28 Stk. kostet € 3.828,95
Das Präparat hat “Red-Box”-Status.