Agomelatin (Valdoxan®)

agomelatinAgomelatin ist das erste Antidepressivum, das auf Grund seines dualen Wirkmechanismus neben der antidepressiven auch eine den Schlaf verbessernde Wirkung aufweist, ohne die Wachheit am Tag zu beeinflussen. Valdoxan®, das ein hervorragendes Verträglichkeitsprofil zeigt, wird seit Anfang 2009 in den europäischen Ländern (in Österreich ist es noch nicht registriert) vertrieben.

Kurzinformation

Präparat Valdoxan®

Wirkstoffgruppe Antidepressivum

Wirkmechanismus Agonist an den Melatonin-MT1- und Melatonin-MT2-Rezeptoren; Antagonist der serotonergen 5-HT2c-Rezeptoren;

Indikation Behandlung von depressiven Episoden bei Erwachsenen

Nebenwirkungen Übelkeit und Schwindel;

Interaktionen bei gleichzeitiger Anwendung mit mäßigen CYP1A2-Inhibitoren (z.B. Propranolol, Fluvoxamin, Ciprofloxacin, Östrogene) kann es zu einem erhöhten Agomelatin-Spiegel kommen;

Kontraindikationen eingeschränkte Leberfunktion,

Dosierung 25 mg einmal täglich am Abend; nach 2 Wochen kann die Dosis auf einmal täglich 50mg erhöht werden;

Agomelatin

Der neue Wirkstoff übt am Serotonin-5-HT2c-Rezeptor eine antagonistische Wirkung aus und reduziert die bei depressiven Patienten überaktiven dopaninergen und adrenergen Systeme im präfrontalen Cortex. Zusätzlich zu dieser Wirkung liegt jedoch auch eine agonistische Wirkung an den melatonergen MT1- und MT2-Rezeptoren im Nucleus suprachiasmaticus vor, was insofern von Bedeutung ist, da Patienten mit schwerer Depression oft eine desynchronisierte und reduzierte Melatoninausschüttung mit gleichzeitiger Schlafstörung zeigen.

Agomelatin verbessert den zirkadianen Rhythmus und die gestörte Schlafarchitektur, ohne die Wachheit am Tag zu beeinflussen. Die antidepressive Wirkung ist mit der von SNRIs (Venlafaxin) und SSRIs (Paroxetin) zu vergleichen, wobei die typischen Nebenwirkungen der klassischen Antidepressiva, wie die Beeinträchtigung der sexuellen Funktion und Absetzungssymptome nach dem Ende der Behandlung (Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel, Schlafstörungen, Angst, Erregbarkeit) fehlen.

Behandlung von Depressionen

Das Ziel einer Behandlung liegt in der Erhöhung der Serotonin- und Noradrenalinkonzentration im synaptischen Spalt. Aufgrund der unterschiedlichen Wirkungsmechanismen unterscheidet man folgende Antidepressiva:

  • Trizyklische Antidepressiva (nichtselektive Serotonin/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer): Clomipramin (Anafranil®), Amitriptylin (Saroten®, Tryptizol®), Doxepin (Sinequan®)
  • Tetrazyklische Antidepressiva (5-HT2-, 5-HT3- und H1-Blocker): Maprotilin (Ludiomil®), Mianserin (Tolvon®), Mirtazapin (Remeron®)
  • SNRIs (selektive Serotonin/Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer): Venlafaxin (Efectin®)
  • SSRIs (selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer): Citalopram (Seropram®), Fluoxetin (Fluctine®), Fluvoxamin (Floxifral®), Paroxetin (Seroxat®), Sertralin (Gladem®, Tresleen®)
  • NRI (selektiver Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer): Reboxetin (Edronax®)
  • Monoaminoxidase(MAO)-Hemmer: Moclobemid (Aurorix®)
  • Serotonin-Antagonist und Wiederaufnahmehemmer (SARI): Trazodon (Trittico®)
  • Glutamat-Modulator (GM): Tianeptin (Stablon®)

Depression

Unter Depression versteht man eine unbegründete Verstimmung mit Hemmung der gesamten Affektivität.

Frauen sind von Depressionen etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Auffällig ist das hohe Selbstmordrisiko (10-15%) bei depressiven Patienten.

Die wichtigsten Symptome sind:

  • Depressive Stimmung
  • Lustlosigkeit, Leeregefühl, Apathie
  • Fehlende Lebensfreude
  • Gewichtsverlust oder Anorexie
  • Erschöpfungsgefühl
  • Gefühl der Wertlosigkeit oder unangemessener Schuld
  • Mangelnde Konzentrationsfähigkeit, Unschlüssigkeit
  • Todes- und Suizidgedanken

Die Depression kann mit manischen Phasen abwechseln (bipolare Verlaufsform) oder isoliert (unipolare Verlaufsform) auftreten.

Ursachen einer Depression:

  • Genetische Faktoren
  • Körperliche Erkrankungen (z.B. Morbus Parkinson, Tumore)
  • Medikamente (z.B. Glukokortikoide, Antiepileptika)
  • Seelische Belastung (z.B. familiäre Todesfälle, Konflikte)
  • Gestörter Hormonhaushalt
  • Herabgesetzte Verfügbarkeit von Noradrenalin und/oder Serotonin im Gehirn

Unbehandelt beträgt die Dauer der Phasen meist drei bis neun Monate.

Literatur

Rote Liste Online; http://www.rote-liste.de/Online/jumpsearch (19.05.2009).

Spreitzer, H., Agomelatin – ein Antidepressivum, das auch den Schlaf bessert: Valdoxan, ÖAZ Aktuell, Ausgabe 04/2007, [online, 14.05.2009]. (http://www.oeaz.at/zeitung/3aktuell/2007/04/serie/serie04_2007nw.html).

Ghosh A, Hellewell JS, A review of the efficacy and tolerability of agomelatine in the treatment of major depression, Expert Opin Investig Drugs, 2007 Dec;16(12):1999-2004. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez).

Guardiola-Lemaitre B., Melatoninergic receptor agonists and antagonists: therapeutic perspectives, J Soc Biol. 2007;201(1):105-13. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/sites/entrez).

Gensthaler B. M.; et al, Agomeltatin, Prasugrel und Sapropterin, Pharmazeutische Zeitung [online, 14.05.2009]. (http://www.pharmazeutische-zeitung.de/indexphp?id=29752).

Mutschler, E. et al., Arzneimittelwirkungen, 8., völlig neu bearb. u. erweit. Aufl., wiss. Verl. Ges. mbH, Stuttgart, 2001.

Kasper, S.; Weit verbreitet und multifaktoriell, Angststörungen und Depressionen, ÖAZ, 63, 10, 587-589, (11.05.2009).

Comments
  1. DR. Erich jost
  2. ehaas
  3. inge stein
  4. ehaas
  5. Andreas Hoffmann

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