L-Tryptophan – bei Depressionen und Schlafstörungen


Die essenzielle Aminosäure Tryptophan, ein Vorläufer des Neurotransmitters Serotonin, wird in der Orthomolekularen Medizin (auch in Form von L-5-Hydroxytryptophan) bei depressiven Symptomen speziell in der prämenstruellen Phase und bei Schlafstörungen eingesetzt. In der Allopathie kommt es als mildes Schlaf- bzw. Beruhigungsmittel zum Einsatz (Kalma®).

Vorkommen

Tryptophan zählt zu jenen Aminosäuren, die in unserer Nahrung am wenigsten vorkommen.

Tryptophan-reiche Nahrungsmittel sind Camembertkäse (0,37g/100g), Kalbfleisch (0,35g/100g), Erdnüsse (0,32g/100g), Sonnenblumensamen (0,31g/100g), Thunfisch (0,3g/100g), Hühnerei (0,23g/100g), Haselnüsse (0,2g/100g), Kakaobohnen (Schokolade), Haferflocken (0,19g/100g), Weizenkeime (0,16g/100g).

Die Aufnahme von Tryptophan ins ZNS kann durch eine kohlenhydratreiche Mahlzeit erhöht werden.

Tryptophan ist empfindlich gegenüber Hitze, Säure, Eisen und Kupfer.

Bedarf

Kinder  von 4 bis 10 Jahren: 19 mg/kgKG

Erwachsene: 3 mg/kgKG

60 mg L-Tryptophan entsprechen etwa 1 mg Nicotinsäure (die aus Tryptophan gebildet werden kann)

Wirkung

Tryptophan ist an der Proteinbiosynthese beteiligt und Präkursor für die endogene Synthese des Neurotransmitters Serotonin, des Epiphysenhormons Melatonin, der Nicotinsäure (Vitamin B3) und der Picolinsäure. Diese wird Vitamin B6-abhängig aus Tryptophan gebildet und ist ein limitierender Faktor für die zelluläre Verwertung von Zink.

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Vereinfachtes Schema von Tryptophan als Präkursor zentraler Botenstoffe

Serotonin spielt eine Rolle bei der Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus, der Befindlichkeit und Stimmungslage, der Appetitkontrolle und der Schmerzempfindung.

Beim Übertritt von Tryptophan durch die Blut-Hirschranke konkurriert es mit anderen Aminosäuren. Die Tryptophan-Konzentration im ZNS kann durch eine kohlenhydratreiche Diät erhöht werden, da die durch Kohlenhydrate induzierte Insulinfreisetzung den Blutspiegel anderer Aminosäuren (wie Valin, Leucin, Isoleucin) senkt, die mit L-Tryptophan um den Transport durch die Blut-Hirn-Schranke konkurrieren. Diese verzweigtkettigen Aminosäuren werden unter dem Einfluss von Insulin vermehrt in die quergestreifte Muskulatur eingebaut.

Mangel

Folgen eines Tryptophanmangels sind Schlafstörungen, Aminosäure-Imbalanzen, psychische Störungen (Depressionen, Aggressivität), Proteinkatabolismus, Pellagra.

Ursachen für einen Tryptophanmangel können sein: Mangel-/Fehlernährung (z.B. Mais), hoher Abbau durch Tryptophan-Pyrrolase der Leber (Umwandlung in Kynurenin), Verdrängung des zerebralen Transportes durch andere Aminosäuren, Medikamente (Reserpin), Vitamin B6-Mangel. Ein Tryptophan-Mangel entsteht aber meist nur durch besonders tryptophanarme Kost (z.B. Mais).

Unerwünschte Wirkungen / Toxizität

Mit der Einnahme von L-Tryptophan wurde das Auftreten von eosinophilen Myalgiesyndrom (EMS) in Zusammenhang gebracht (EMS äußert sich in Symptomen wie starken Muskelschmerzen, Ödemen, Kurzatmigkeit, Fieber und Erhöhung der eosinophilen Granulozyten). Die Erscheinungen könnten jedoch auch durch Verunreinigungen (Ethylenbistryptophan), die bei der Herstellung des Rohstoffes entstanden sind, hervorgerufen worden sein.

Interaktionen

  • Die Wirkung von Tryptophan wird durch Kohlenhydrate, Alkohol und Carbamazepin verstärkt.
  • Reserpin u. Phenytoin führen zu einem Tryptophanmangel.
  • SSRIs und MAO-Hemmer geben mit Tryptophan eine Interaktion, die zu dem Serotonin-Syndrom (Verwirrtheit, Unruhe, Tremor, Diarrhöe) führt.
  • Die Aufnahme von Zink wird durch Tryptophan erhöht.

Genaue Informationen zu den Interaktionen finden Sie auf PXP-Office/Beratung/Mikronährstoffe

Literatur

Gröber, Uwe; Orthomolekulare Medizin, 2.Aufl., Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2002.

Zimmermann, Michael; et al.; Burgersteins Handbuch der Nährstoffe, Haug Verlag, Heidelberg, 2000.

Maid-Kohnert, Udo; et al.; Lexikon der Ernährung, Bd.1-3, Spektrum, Akad.Verl., Heidelberg, u.a., 2002.

Sadler, Michele J.; et al.; Encyclopedia of Human Nutrition, Academic Press, San Diego, u.a., 1998.

U.Pechanek, ÖAZ, 58, 16, 767, (2.8.2004).

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Gröber, Uwe; Arzneimittel und Mikronährstoffe, Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2007.

Comments
  1. maers
  2. Catherine
  3. Joey

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