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Almorexant – über die Blockade der Orexine zum erholsamen Schlaf

Anwendung: Schlafmittel

almorexantRund 38 Prozent der Österreicher leiden an Schlafstörungen. Chronische Schlaflosigkeit hat nicht nur einen erheblichen Einfluss auf die Gesundheit und Lebensqualität, sie macht oftmals krank und besonders alarmierend ist, wie Untersuchungen zeigten, dass etwa ein Viertel aller tödlichen Verkehrsunfälle auf Übermüdung am Steuer zurückzuführen ist. Allein in den Vereinigten Staaten, so die Schätzung einer Konferenz der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde NIH (National Institutes of Health) zum Thema chronische Schlaflosigkeit, leiden bis zu 80 Millionen Amerikaner unter Schlafstörungen, 25 Millionen davon unter chronischer Schlaflosigkeit. Menschen mit Schlafstörungen kömpfen oftmals auch mit psychischen Problemen und leiden überdurchschnittlich oft an Medikamenten- und Alkoholmissbrauch und Herzerkrankungen. Die medikamentöse Behandlung von Schlafstörungen ist jedoch nach wie vor nicht befriedigend. Zwischen erwünschter Schlaf fördernder Wirkung und Nebenwirkungen wie Beeinflussung der Schlafarchitektur mit unbefriedigender Schlafqualität, Hang over  am nächsten Morgen oder gar Ausbildung von Abhängigkeit bei längerer Anwendung sind bislang nicht befriedigend gelöst. Mit Almorexant könnte bald ein gänzlich neuartiges Schlafmittel auf den Markt kommen, das tatsächlich auf einem innovativen Wirkungsmechanismus beruht, es antagonisiert nämlich erstmals den Orexin-Rezeptor. Orexine gehören zur Gruppe der Neuropeptidhormone. Bislang sind die beiden Orexine A und B, auch als Hypocretin-1 und -2 bezeichnet bekannt. Die Bezeichnung Orexin stammt aus dem Griechischen und bedeutet Verlangen, Appetit. Die Bezeichnung wurde gewählt, nachdem die Appetit steigernde Wirkung nach einer Injektion in den Hypothalamus beobachtet werden konnte. Außer im lateralen Hypothalamus werden Orexine u.a. im Locus coeruleus, im Rückenmark und in den Nebennieren gebildet. Hypothalamische Efferenzen projizieren in multiple Kerngebiete, die den Energiehaushalt, die Psychomotorik, den Schlaf-Wach-Rhythmus und die Kognition regulieren. Orexinrezeptoren werden im ZNS und in peripheren Organen nachgewiesen. Sie beeinflussen direkt den Energiehaushalt und die Vigilanz des Organismus. Die letztere Eigenschaft, vor allem die Beeinflussung des Schlaf/Wach-Verhaltens führte zur Suche nach Orexin-Rezeptor-Antagonisten, von denen eine Schlaf fördernde Wirkung erwartet werden konnte. Almorexant ist der erste Vertreter dieser neuen Wirkungsklasse zur Behandlung von Schlaflosigkeit. Es kann oral eingenommen werden, überwindet die Blut-Hirn-Schranke und ist in der Lage, eine vorübergehende und reversible Blockade der beiden Orexinrezeptoren herbeizuführen. Im Rahmen einer Proof-of-Concept-/Dosisfindungsstudie bei Patienten mit primärer Insomnie konnte gezeigt werden, dass Almorexant den primären Parameter Schlafeffizienz (mittels Polysomnographie - PSG - gemessene Zeit, die nachts während acht Stunden schlafend im Bett verbracht wird) abhängig von der Dosierung bei  400 mg, 200 mg und 100 mg signifikant verbessert. Die Analyse sekundärer und exploratorischer Endpunkte, auf die die Studie nicht ausgelegt war, ergab außerdem, dass Almorexant andere klinisch relevante Verbesserungen bei wichtigen Schlafparametern bewirkte, die mittels Polysomnographie gemessen wurden. In Abhängigkeit von der Dosierung verringerte Almorexant sowohl die Zeitdauer des Einschlafens (bei 400 mg signifikant) als auch die Wachphasen (bei 400 mg, 200 mg und 100 mg signifikant). Unter Almorexant verbesserte sich der Prozentsatz der Zeit, die im REM (Rapid-Eye-Movement)-Schlaf und im Nicht-REM-Schlaf verbracht wurde oder blieb anteilsmäßig gleich. Almorexant bewirkte außerdem eine signifikante Verbesserung subjektiver Schlafparameter. Die Behandlung mit Almorexant hatte keinerlei negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit am nächsten Tag (getestet mittels Feinmotorik und der durchschnittlichen Reaktionszeit). Die Behandlung mit Almorexant wurde gut vertragen; es wurden keine schweren Nebenwirkungen oder mögliche Sicherheitsrisiken berichtet. Im Dezember 2007 lancierte Actelion das Zulassungsprogramm RESTORA (REstore normal physiological Sleep with The Orexin Receptor antagonist Almorexant) zur Untersuchung von Wirksamkeit und Sicherheit von Almorexant bei erwachsenen und älteren Patienten mit Insomnie. Im Rahmen des RESTORA-Programms soll ausserdem das Profil von Almorexant, beispielsweise im Vergleich zu gängigen, auf Benzodiazepin-Rezeptoren ausgerichtete Hypnotika klarer herausgearbeitet werden. Erste Ergebnisse des RESTORA-Programms werden voraussichtlich in der zweiten Hälfte 2009 bekannt gegeben werden.

Hersteller: Actelion u. GlaxoSmithKline.

Quellen: http://www.actelion.com/en/journalists/medieninformationen.page?newsId=1185242; http://www.prous.com/molecules/default.asp?ID=183, Drug Molecule of the Month April 2009; http://www.oeaz.at/zeitung/3aktuell/2005/13/haupt/haupt13_2005orexin.html.

Autor:

Ao. Univ.-Prof., Dr. rer. nat., Mag. pharm. Helmut Spreitzer

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4 Kommentare zu “Almorexant – über die Blockade der Orexine zum erholsamen Schlaf”

  1. ABA sagt:

    wann wird es voraussichtlihc in europa auf den markt kommen?

  2. schweiger sagt:

    wird vorerst in den USA klinisch erprobt. Noch keine relevanten Ergebnisse bekannt.( 2. Hälfte 2009)

  3. marius schrod sagt:

    gibt es etwas neues über almorexant zu berichten. wie verläuft die iii. phase. wann wird es endlich zugelassen. meine einzige hoffnung hoffentich bald!

  4. ehaas sagt:

    Die erste Studie des Phase-III-Programms RESTORA ist abgeschlossen, es wurden jedoch bislang die detaillierten Ergebnisse dieser Studie noch nicht publiziert - es gab nur eine Pressekonferenz. Weitere Phase-III-Studien mit unterschiedlichen Patientenkollektiven laufen derzeit.
    Bisher kann festgestellt werden, dass mit Almorexant ein neues Schlafmittel mit neuem Wirkprinzip und guter Wirksamkeit vorliegt, das vermutlich keine/geringe Beeinflussung der Schlafarchitektur aufweist. Die Nebenwirkungen sind noch nicht bekannt und Langzeitstudien fehlen noch.

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