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D,L-Phenylalanin, L-Tyrosin – beeinflussen die Stimmungslage, das Schmerzgeschehen und die Bildung des Farbstoffes Melanin

dopamin-biosynthese

Die Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin werden in der Orthomolekularen Medizin bei Depressionen, Parkinsonismus und zur Schmerzbehandlung eingesetzt. Weiters verspricht man sich positive Effekte bei Morbus Alzheimer, Drogenentzugstherapien, Multipler Sklerose, Schilddrüsenerkrankungen und bei Vitiligo (Weißfleckenkrankheit).

Vorkommen

L-Thyrosin wird vom Körper selbst gebildet. (Die Biosynthese erfolgt in der Leber durch Hydroxylierung von Phenylalanin unter Katalyse von Phenylalanin-Hydroxylase).

Tyrosingehalt ausgewählter Nahrungsmittel: Parmesan (1750mg/100g), Erdnüsse (1190mg/100g), Mandeln (620mg/100g), Kalbfleisch (880mg/100g), Kabeljau (710mg/100g), Hühnerei (590mg/100g),

Zu den Phenylalanin-reichen Nahrungsmitteln zählen Parmesan (1910mg/100g), Erdnüsse (1540mg/100g), Mandeln (1160mg/100g), Kürbiskerne, Kalbfleisch (1020mg/100g), Forelle (920mg/100g), Thunfisch (1050mg/100g), Kabeljau (840mg/100g), Hühnerei (800mg/100g); – die Phe-Konzentration in Light-Getränken beträgt durch den Aspartamgehalt etwa 5-7mg/100ml [bei einer täglichen Aufnahme von 34mg Aspartam/kgKG (= 15mg Phe/kg) ist die Gesamt-Phe-Toleranz eines PKU (Phenylketonurie)-Patienten erreicht];

Bedarf für Phenylalanin

Minimal: 1,1 mg/kgKG

Kinder:

  • Kinder bis 0.5 Jahre: 45 mg/kgKG
  • Kinder von 0.5 bis 1 Jahr: 30 mg/kgKG
  • Kinder von 1 bis 4 Jahren: 20 mg/kgKG
  • Kinder von 4 bis 10 Jahren: 15 mg/kgKG

Erwachsene: 2,2 mg/kgKG

Wirkung

Phenylalanin und Tyrosin liefern dem Körper den Benzolring, der für die Synthese der Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin u. Adrenalin und der Schilddrüsenhormone Trijodthyronin u. Thyroxin benötigt wird (in der Schilddrüse wird proteingebundenes Tyrosin zu Trijodthyronin und Thyroxin jodiert). Auch der Farbstoff Melanin wird aus Tyrosin über Dopa, Dopachinon, Dopachrom und Indolchinon synthetisiert (Haut, Haare, Chorioidea). Die Biosynthese von Coenzym Q10 erfolgt aus Tyrosin und Leucin über Acetessigsäure, Acetoacetyl-CoA, Hydroxymethylglutaryl-CoA, Mevalonsäure und Isopentylpyrophosphat.

Phenylalanin wird einerseits für die Proteinsynthese benötigt, andererseits in der Leber zu L-Tyrosin hydroxyliert.

Phenylalanin u. Tyrosin können als Vorläufersubstanzen zentraler Botenstoffe auch eine positive Wirkung auf die Stimmung ausüben. Phenylalanin verlangsamt den enzymatischen Abbau der Enkephaline und entfaltet möglicherweise über diesen Weg eine positive Wirkung auf das Schmerzgeschehen.

phenylalanin-tyrosin1

Mangel

Ein Mangel an Tyrosin kann bei Frühgeborenen und bei allen Erkrankungen entstehen, bei denen das Leber-spezifische Enzym Phenylalaninhydroxylase betroffen ist (Phenylketonurie, Sepsis, zirrhotische Erkrankungen). Weiters kann ein Mangel an Phenylalanin und Tyrosin vorliegen bei Alzheimer, Arthritis, Depressionen, Drogenentzug, Parkinson, Migräne, Multipler Sklerose, Nierenerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen, Schmerzen, Stress.

Unerwünschte Wirkungen / Toxizität

In der Schwangerschaft und Stillzeit, bei Hypertonie und schweren Lebererkrankungen sollten Phenylalanin und Tyrosin-Supplemente wenn überhaupt, nur nach ärztlicher Rücksprache angewendet werden. – In hohen Konzentrationen beeinträchtigt Phenylalanin die Neurotransmittersynthese und verursacht Aminosäure-Imbalancen im ZNS. Es kann zu nicht rückgängig zu machenden Gehirnschäden kommen. Erste Symptome einer Überdosierung sind Kopfschmerzen, Angstzustände und Bluthochdruck. – (Phenylketonurie wird durch das Fehlen des Enzyms Phenylalanin-Hydroxylase oder durch eine Störung im Stoffwechsel des Cofaktors Tetrahydrobiopterin verursacht. Phenylalanin wird dadurch nur unzureichend in Tyrosin übergeführt und es kommt zu einem starken Anstieg der Phenylalanin-Konzentration).

Interaktionen

Durch die Nahrung zugeführtes Phenylalanin u. Tyrosin (z.B. Käse) kann zusammen mit MAO-Hemmern zu Blutdruckkrisen führen. Bei Patienten mit Schizophrenien können Phenylalanin u. Tyrosin mögliche Nebenwirkungen von Neuroleptika verstärken.

Über Anwendungsmöglichkeiten der Aminosäuren Phenylalanin und Tyrosin lesen Sie bei PXP-Office/Beratung/Mikronährstoffe.

Literatur

Gröber, Uwe; Orthomolekulare Medizin, 2.Aufl., Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2002.

Zimmermann, Michael; et al.; Burgersteins Handbuch der Nährstoffe, Haug Verlag, Heidelberg, 2000.

Biesalski, Hans Konrad; et al.; Ernährungsmedizin, 3., erweit. Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart, u.a., 2004.

Elmadfa, Ibrahim; Leitzmann, Claus; Ernährung des Menschen, 2.,überarb. Aufl., Verl. Eugen Ulmer, Stuttgart, 1990.

Maid-Kohnert, Udo; et al.; Lexikon der Ernährung, Bd.1-3, Spektrum, Akad.Verl., Heidelberg, u.a., 2002.

Sadler, Michele J.; et al.; Encyclopedia of Human Nutrition, Academic Press, San Diego, u.a., 1998.

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12 Kommentare zu “D,L-Phenylalanin, L-Tyrosin – beeinflussen die Stimmungslage, das Schmerzgeschehen und die Bildung des Farbstoffes Melanin”

  1. Ziswiler Silvia sagt:

    Hat das auch einen Zusammenhang mit vitiligo und dem Tourette- Syndrom ?
    Unser Sohn leidet unter beiden Krankheiten.

  2. Schweiger sagt:

    Bei Tourette-Patienten sind Stoffwechselvorgänge im Gehirn (Basalganglien) aus dem Gleichgewicht geraten, was vor allem für die beiden Neurotransmitter Serotonin und Dopamin zutrifft. Phenylalanin dient als “Ausgangsstoff” für die Biosynthese von Dopamin. Inwieweit dies für die Erkrankung von Bedeutung ist, ist wissenschaftlich noch nicht geklärt.

  3. ehaas sagt:

    In der Orthomolekularen Medizin wird Phenylalanin in Kombination mit Kupfer, Zink, den B-Vitaminen (Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12), Betacarotin, Vitamin C und Vitamin E gegen Vitiligo (Weissfleckenkrankheit) eingesetzt.
    Phenylalanin ist im Gehirnstoffwechsel die Ausgangssubstanz für die Bildung von Melanin, dem Farbstoff, der zur Braunfärbung der Haut führt.
    Die längerfristige Anwendung von Phenylalanin sollte jedoch nur unter Aufsicht eines Arztes erfolgen, da die Gabe von einer einzelnen Aminosäure über einen längeren Zeitraum leicht zu Aminosäureimbalanzen führen kann.
    Auch bei der Behandlung von Vitiligo mit Phenylalanin fehlen die wissenschaftlichen Beweise für die Wirksamkeit.

  4. rfrank sagt:

    Koennen langanhaltende Schmerzen (Rueckenschmerzen) , die immer voranden, aber stets im ertraeglichen Bereich liegen einen Phenylalaninmangel verursachen?

  5. ehaas sagt:

    Da die Ergebnisse der Studien, die an Schmerzpatienten mit D-Phenylalanin durchgeführt wurden widersprüchlich sind, kann die Frage nicht eindeutig beantwortet werden.

  6. Wernerg sagt:

    Kann man bei Müdigkeit (die nicht vom arbeiten kommt) Reizbarkeit, schlechte Laune usw. kleine Dosen tyrosin nehmen, und mit welchen Nebenwirkungen muss man rechnen. Will einen guten Freund helfen, der sich nicht helfen lassen will.

  7. ehaas sagt:

    Zuerst sollte einmal durch eine ärztliche Untersuchung abgeklärt werden, ob hinter der Müdigkeit nicht irgend eine andere Erkrankung steht. – Falls von ärztlicher Seite soweit keine Ursache festgestellt werden kann, gibt es mehrere Möglichkeiten mit Mikronährstoffen eine Besserung herbeizuführen:
    Ist die Müdigkeit mit einer depressiven Verstimmung verbunden, könnte man Phenylalanin in Kombination mit einem höher dosierten Vitamin B-Komplex, Flavonoiden und Magnesium für einige Monate einnehmen.
    Ganz allgemein denke ich bei Müdigkeit an einen Vitamin-B-Komplex, NADH, Coenzym Q10, Magnesium und Kalium.
    Bei Müdigkeit aufgrund geistiger und/oder körperlicher Beanspruchung hilft auch eine Kombination von B-Vitaminen, Cholin, Arginin, Taurin, Magnesium, Vitamin C und Zink.
    Auf jeden Fall sollen Mikronährstoffe und speziell Aminosäuren in Kombination und nicht einzeln eingenommen werden (vor allem, wenn sie über einen längeren Zeitraum eingenommen werden).

  8. ullihi sagt:

    Ich injiziere seit 2 Monaten das Medikament Glatirameracetat mit den 4 Wirkstoffen L-Glutaminsäure, L-Alanin, L-Lysin und L-Tyrosin.
    MS ist meine Diagnose seit einigen Jahren.
    Kann man auf homöopathischer Basis diese Stoffe auch einzeln einnehmen oder gibt es auch diesbezüglich ein hom. Kombipaket?

    Ullihi

  9. ehaas sagt:

    Glatirameracetat (Copaxone®) ist ein synthetisch hergestelltes Polypeptid, aus 4 natürlich vorkommenden Aminosäuren, hat aber nichts mit alternativen Heilmethoden zu tun. Es wird zur Reduktion der Schubfrequenz eingesetzt, wobei man annimmt, dass es zu einer Modifikation der Immunprozesse kommt.
    Bei einer Erkrankung wie MS sollte man auf jeden Fall in erster Linie auf die evidenzbasierte Medizin setzen.

    Falls Sie zusätzlich auf homöopathischer Basis versuchen möchten etwas Positives zu erreichen, so gibt es dazu einige Möglichkeiten, jedoch meines Wissens nicht mit Aminosäuren.

  10. ehaas sagt:

    Ich habe mich inzwischen bezüglich MS und Homöopathie informiert:
    Bei MS sind der Beginn der Krankheit und die Hintergründe wesentlich – daher ist eine gute homöopathische Anamnese unbedingt notwendig!!!
    Die 4 Aminosäuren müßten homöopathisch verarbeitet und mittels einer Arzneimittelprüfung geprüft werden und Ihrem Krankheitsbild entsprechen.
    Als Komplexmittel kommt diese Kombination eher nicht in Frage.
    MS kann man homöopathisch gut therapieren – als Fachmann auf diesem Gebiet wäre Herr Univ.Prof.Dr. Michael Frass von der Uni Wien zu empfehlen.

  11. Mia sagt:

    Hallo,
    ich möchte meiner Mutter helfen, sie ist jetzt schon seit 3 Jahren nach der Trennung von meinem Vater leicht depressiv und trinkt und raucht meiner Meinung nach mehr als ihr guttut. Ich bin grad beim Biochemie lernen über die Wirkung von Tyrosin gestolpert und für mich passt das genau zu ihren Problemen. Sollte ich ihr die Kapseln einfach so besorgen,denn zum Arzt wird sie vermutlich nicht gehen..
    liebe Grüße

  12. ehaas sagt:

    Hallo Mia,
    ich denke ein Besuch beim Arzt waere die einzig effektive Loesung fuer deine Mutter.
    Falls das nicht moeglich ist kannst du ihr mit einer Kombination von Phenylalanin und B-Vitaminen (es gibt da ein sehr gutes Praeparat, das du in jeder Apotheke bekommen kannst) sicher etwas Gutes tun, obwohl ich glaube, dass das allein nicht ausreichen wird.
    Alles Gute!
    E.Haas

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