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Lacosamid (Vimpat®) – zur Zusatzbehandlung von Epilepsie

lacosamidLacosamid ist ein neues Antiepileptikum mit dualem Wirkmechanismus, das seit August 2008 zur Behandlung von partiellen Anfällen (epileptische Anfälle, die von einem bestimmten Teil des Gehirns ausgehen), als Zusatztherapie (add-on) zu anderen Antikonvulsiva für Patienten ab 16 Jahren zugelassen ist.

Kurzinformation

Präparat Vimpat®

Wirkstoffgruppe Antiepileptikum

Wirkmechanismus der genaue Wirkungsmechanismus ist noch ungeklärt; die Wirkung beruht vermutlich auf einem dualen Mechanismus: 1.) die langsame Inaktivierung der Natriumkanäle wird durch Lacosamid selektiv verstärkt, wodurch die überschießenden Nervenreaktionen gedämpft werden – die normale Kommunikation der Nervenzelle bleibt unbeeinflusst; 2.) Lacosamid bindet an das Collapsing response mediator protein 2 (CRMP-2), das in die neuronale Differenzierung involviert ist;

Indikation Zusatzbehandlung von Epilepsiepatienten ab 16 Jahren – bei fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung;

Nebenwirkungen Schwindel, Kopfschmerzen, Diplopie, Magen/Darmbeschwerden (Nausea), Depression, Haut, Asthenie,

Interaktionen PR-verlängernde Substanzen (Carbamazepin, Lamotrigin, Pregabalin) – Wirkungsverstärkung; da Lacosamid die Enzyme des Cytochrom-P-450-Systems nicht beeinflusst und nicht über P-Glykoprotein transportiert wird, weist es ein geringes Potenzial für Wechselwirkungen auf;

Kontraindikationen AV-Block 2. oder 3. Grades;

Dosierung einschleichend 2 x täglich 50 mg; nach 1 Woche: 2 x täglich 100 mg; MTD: 2 x täglich 200 mg;

Eliminationshalbwertszeit 13 Stunden

EU-Zulassung 15.9.2008

Lacosamid

Die Aminosäure Lacosamid (früher Harkoseride genannt), verfügt über einen neuen dualen Wirkmechanismus:

  • Es verstärkt die langsame, nicht wie bei den herkömmlichen Antiepileptika die schnelle, Inaktivierung der spannungsabhängigen Natriumkanäle, welche die Übertragung elektrischer Impulse zwischen den Nervenzellen ermöglichen und dämpft so die überschießenden Nervenreaktionen ohne die normale Kommunikation der Zellen zu stören.
  • Zusätzlich moduliert es das Collapsing response mediator protein 2 (CRMP-2), ein Protein, das Teil der neuronalen Signaltransduktionswege ist und das mit der Neuroprotektion in Verbindung gebracht wird. Lacosamid ist bislang das einzige Antiepileptikum, für das eine CRMP-2-Interaktion nachgewiesen werden konnte, deren Bedeutung für die Anfallskontrolle jedoch noch nicht vollständig aufgeklärt ist.

In Kombination mit anderen Antiepileptika konnte eine Reduktion der Anfallshäufigkeit in verschiedenen klinischen Studien gezeigt werden. Weiters wird Lacosamid in klinischen Studien zur Behandlung der diabetischen Neuropathie, der Fibromyalgie, der Osteoarthritis und zur Migräneprophylaxe getestet. Langzeitdaten liegen bis jetzt nicht vor.

Behandlung der Epilepsie

  • Blockade spannungsabhängiger Natriumkanäle: Carbamazepin (Deleptin®, Neurotop®, Tegretol®); Oxcarbazepin (Trileptal®); Valproinsäure (Convulex®, Depakine®, Natriumvalproat®); Phenytoin (Epanutin®, Epilan-D®); Lamotrigin (Gerolamic®, Lamictal®, Lamotribene®); Topiramat (Topamax®);
  • Verstärkung GABAerger Effekte: Phenobarbital (Maliasin®); Primidon (Mysoline®); Clonazepam (Rivotril®); Diazepam (Stesolid®); Lorazepam; Vigabatrin (Sabril®); Tiagabin (Gabitril®); Topiramiat (Topamax®);
  • Verringerung des depolarisierenden Ca2+-Einstroms: Ethosuximid (Petinimid®, Suxinutin®);
  • Verhinderung der Freisetzung exzitatorischer Aminosäuren (Glutamat, Aspartat): Gabapentin (Gabalster®, Gabatal®, Neurontin®), Topiramiat (Topamax®)
  • Hemmung der glutamatergen Erregungsübertragung an NMDA-Rezeptoren: Felbamat (Taloxa®);

Epilepsie

Epilepsien sind chronisch, auch ohne äußeren Anlass wiederkehrende zeitlich begrenzte zerebrale Anfälle.

Darunter versteht man Krankheiten, die auf einer gesteigerten Erregbarkeit zentraler Neurone und damit auf einer Erniedrigung der Krampfschwelle beruhen. Dies führt zu Aktivierung abnormer motorischer (Krämpfe), sensorischer (Sinneseindrücke), vegetativer (Speichelfluss) Reaktionen und/oder Bewusstseinsstörungen bzw. Bewusstseinsverlust.

Die Epilepsie, die auch als Fallsucht bezeichnet wird, gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen des Zentralnervensystems.

Die Prävalenz beträgt etwa 1%, wobei zwei drittel der Erkrankungen bereits vor dem 20. Lebensjahr auftreten.

Pathologie

Auslösendes Phänomen ist eine spontane Depolarisation einer labilen Neuronengruppe durch eine verstärkte Aktivierung von Calciumkanälen. Wird die Repolarisationsphase durch schnell aufeinander folgende Depolarisationen übersprungen, löst dies einen epileptischen Anfall aus.

Ursachen bzw. begünstigende Faktoren:

  • genetische Defekte
  • Fehlbildungen des Gehirns
  • Hirnverletzungen
  • Hirntumore
  • Blutungen oder Abszesse
  • Meningitiden
  • Encephalitiden
  • Hirnödeme
  • Entzündungen, Fieber
  • Schlafentzug
  • Alkoholentzug
  • Sauerstoffmangel
  • Pharmaka (Theophyllin, zentral wirkende Analeptika, tricyklische Antidepressiva)
  • Hypoglykämie, Hypokalzämie

Mann unterscheidet zwischen einem fokalen (partiellen) Anfall, der begrenzt in einem Teil der Hirnrinde lokalisiert ist und einem generalisierten Anfall, der weite Gebiete des ganzen Gehirns betreffen kann.

Status Epilepticus

Ein Status Epilepticus liegt dann vor, wenn mehrere Anfälle im Abstand von ca. 5-15 min auftreten, ohne dass der Patient dazwischen das Bewusstsein wiedererlangt. Der Status Epilepticus ist ein lebensbedrohendes Ereignis, bei dem unbedingt ein Notarzt gerufen werden sollte. Auch bei optimaler Therapie muss mit einer Letalität von bis zu 10% gerechnet werden.

Literatur

Jasek, Wolfgang; Austria-Codex Fachinformation, 61. Aufl., Bd. 1-4, Österr. Apotheker-Verl., Wien, 2008/2009.

Mutschler, E.  et al., Arzneimittelwirkungen, 8., völlig neu bearb. u. erweit. Aufl., wiss. Verl. Ges. mbH, Stuttgart, 2001.

DAZ, Neue Arzneimittel – Lacosamid (01.03.2009).

Gensthaler B. M.; et al, Doripenem, Fesoterodin, Icatibant, Lacosamid und Rifaximin, Pharmazeutische Zeitung [online, 30.07.2009]. (http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=6877).

Saussele T, Lacosamide. A new antiepileptic drug as adjunctive therapy in patients with partial-onset seizures, Med Monatsschr Pharm. 2008 Oct;31(10):374-7.

Kojda G, Was gab es Neues auf dem Arzneimittelmarkt 2008?, Fortbildung Köln, 2009. (http://www.uni-duesseldorf.de/kojda-pharmalehrbuch/fortbildungkoeln/Vo_NeueArzneimittel2008_Fortbildung_Koeln_Nachtrag.pdf).

Ben-Menachem, E; Therapierefraktäre fokale Epilepsie: neue Hoffnung auf verbesserte Anfallskontrolle, Universimed [online, 30.07.2009]. (http://www.universimed.com/frame.php?frame=http%2A//www-universimed.com/stage/networkcenter.php%3Fnw%3D6%cat%3D0%26table%3Daricle%26id%3D114019).

EMEA European Medicines Agency, 2008, EMEA/H/C863, Europäischer offentlicher Beurteilungsbericht (EPAR) Vimpat,  (http://www.emea.europa.eu).

PharmXplorer/Office/Indikationen

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4 Kommentare zu “Lacosamid (Vimpat®) – zur Zusatzbehandlung von Epilepsie”

  1. [...] Lacosamid (Vimpat®) -  Lasofoxifen (Fablyn®) -  Liraglutid (Victoza®) [...]

  2. Wend,Elvira sagt:

    Mien Sohn bekommt dis Medikament neu zusätzlich zu den alten Antiepileptika.Er ist jetzt auf der Maximaldosis und danach sollen die altten Medikamente nach und nach ausgeschlichen werden.Er hatte nun aber trotzdem mehere für ihn untypische Krampfanfälle,die mir große Sorgen bereiten.Ich bin noch nicht von der Wirksamkeit des Präparats überzeugt.
    Fr.Wend

  3. Haas sagt:

    Bitte jede Flasche Sirup auf mögliche Ausfällungen kontrollieren. Durch Qualitätsmängel könnte es zu Über- oder Unterdosierungen kommen. – Bei Problemen bitte den Arzt konsultieren!

  4. Anonym sagt:

    Meine Tochter liegt zur Zeit auf der Intensivstation einer Uni -Klinik in Baden Württemberg. Nach zusätzlicher Gabe von 2x 50mg i.v.
    Vimpat, zum bestehenden Epilepsie-Medikament, gab es auf der linken Schulter bereits eine massiven Hautreaktion, wobei Blasen und Aufwürfe der Haut entstanden. Die Fläche der Hautverletzung war ca. 30cm x 30cm. Darauf wurde das Medikament nach 6 Stunden sofort wieder abgesetzt, worauf die Haut sich merklich erholte, aber immer noch wie eine großflächige Verbrennung behandelt und abgedeckt werden muß.
    Mit diesem Schreiben möchte ich auf etwaige Nebenwirkungen aufmerksam machen.

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