Prednison (Lodotra®) - Glukokortikoid in neuer Galenik für Patienten mit rheumatoider Arthritis
Durch eine neue galenische Formulierung, die den Wirkstoff zeitversetzt freigibt, kann bei Patienten mit rheumatoider Arthritis, der Cortisonspiegel dem circadianen Anstieg der Zytokinfreisetzung in der Nacht angepasst und die Symptomatik der Morgensteifigkeit signifikant verringert werden.
Kurzinformation
Lodotra ®
Wirkstoffgruppe Glukokortikoid
Wirkmechanismus Hemmung der Chemotaxis und der Aktivität von Zellen des Immunsystems sowie der Freisetzung und Wirkung von Mediatoren der Entzündungs- und Immunreaktionen (lysosomale Enzyme, Prostaglandine, Leukotriene);
Indikation mäßige bis schwere aktive rheumatoide Arthritis bei Erwachsenen, insbesondere wenn diese von morgendlicher Gelenksteifigkeit begleitet ist;
Nebenwirkungen Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems, Schwächung der Immunabwehr, Cushing-Syndrom, Natriumretention mit Ödembildung, erhöhte Kaliumausscheidung (Arrhythmien), Schlaflosigkeit, Katarakt, Glaukom, Striae rubrae, erhöhte Kapillarfragilität, Muskelatrophie, Schwächegefühl, Osteoporose;
Interaktionen Salicylate und Indomethacin (erhöhte Gefahr für Magen-Darm-Blutungen); Atropin und andere Anticholinergika (es kann zu einer Erhöhung des Augeninnendrucks kommen); Praziquantel (Verringerung der Konzentration im Blut); Chloroquin, Hydroxychloroquin, Mefloquin (erhöhtes Risiko für Myopathien und Kariomyopathien); Somatropin (Wirkungsverminderung); Östrogene (Glucocorticoidwirkung kann verstärkt werden); Lakritze (es kann zu einer Hemmung der Glucocorticoid-Metabolisierung kommen); Rifampicin, Phenytoin, Barbiturate, Bupropion, Primidon (Glucocorticoid-Wirkung sinkt); Cyclosporin (Ciclosporin-Blutspiegel steigt, erhöhte Gefahr zerebraler Krampfanfälle); Amphotericin B (erhöhtes Risiko für eine Hypokaliämie); Cyclophosphamid (Wirkungsverstärkung); ACE-Hemmer (es kann zu Blutbildveränderungen kommen); Aluminium- und magnesiumhaltige Antacida (Resorption von Glucocorticoiden wird vermindert);
Kontraindikationen bei Überempfindlichkeit gegen Prednison;
Vorsicht bei Magen-Darm-Ulzera, schwerer Osteoporose und Osteomalazie, schwer einzustellender Hypertonie, Diabetes mellitus, psychiatrischen Erkrankungen;
nur unter strenger Indikationsstellung bei akuter Virusinfektion, chronisch-aktiver Hepatitis, 8 Wochen vor und 2 Wochen nach einer Immunisierung mit Lebendimpfstoffen, systemischen Mykosen und Parasitosen, Poliomyelitis, akuten und chronischen bakteriellen Infektionen, Tuberkulose;
Dosierung initial 10 (- 20) mg pro Tag; Dauertherapie bis 10 mg täglich;
Besondere galenische Formulierung
Das künstliche Hormon Prednison ähnelt den Corticoiden, die vom Körper selbst in den Nebennieren erzeugt werden. Die Gabe von Prednison verursacht in niedrigen Konzentrationen kaum schädliche Nebenwirkungen und wirkt der rheumatischen Gelenkentzündung entgegen. Allerdings gelang es bisher nicht die gefürchtete Morgensteifigkeit ausreichend zu verhindern, da in der circadianen Rhythmik die höchste Zytokinausschüttung (IL-6) zwischen 2 und 4 Uhr morgens erfolgt und die Cortisonfreisetzung bei der Arzneimittelgabe in der Früh zu spät und bei der Gabe am Abend zu früh kommt, um optimal wirksam zu sein.
Bei der neuen Arzneiform handelt es sich nicht um eine Retardformulierung bei der der Wirkstoff langsam über einen langen Zeitraum freigesetzt wird, sondern um ein „Modified-release-System” bei dem der ganze Wirkstoff punktgenau um 2:00 Uhr zeitversetzt 4 Stunden nach der Einnahme um 22:00 Uhr freigesetzt wird. Dies wird ermöglicht durch eine innovative Mantel-Kern-Technologie, bei der ein wirkstoffhaltiger Kern von einem Tablettenmantel aus inaktiven Hilfsstoffen umgeben ist. Nach der Tabletteneinnahme sichert im Magen-Darm-Trakt Flüssigkeit durch die Poren des äußeren Tablettenmantels und sobald diese den Kern, der aus einem anderen Material besteht, erreicht, saugt der Tablettenkern die Flüssigkeit auf wie ein Schwamm und sprengt dadurch den porösen Tablettenmantel. Der im Kern enthaltene Wirkstoff wird auf einmal vollständig im Dünndarm freigesetzt. Durch den Pressdruck bei der Herstellung des Tablettenmantels kann die Porengröße reguliert und damit das Zeitintervall bis die Flüssigkeit den Kern erreicht präzise gesteuert werden.
Behandlungsmöglichkeiten bei Arthritis
Mit dem Einsatz verschiedener Basistherapeutika schon unmittelbar nach einer gesicherten Diagnose gelingt es heute zunehmend das Fortschreiten und die Aggressivität der Erkrankung zu bekämpfen. Wegen der guten Wirksamkeit und Verträglichkeit wird in erster Linie Methotrexat eingesetzt, daneben nehmen jedoch auch Analgetika, NASRs und Glucocorticoide einen festen Platz in der Therapie ein.
Folgende Arzneistoffgruppen stehen für eine Therapie von rheumatischen Erkrankungen zur Verfügung:
- NSAIDs
- Glucocorticoide
- Basistherapeutika (DMARDs “disease modifying antirheumatic drugs”):
- Methotrexat, Azathioprin (Imurek®), Ciclosporin (Cicloralhexal®, Neoimmun®, Sandimmun®), Leflunomid (Arava®),
- Biologicals: Infliximab (Remicade®), Adalimumab (Humira®), Anakinra (Kineret®), Rituximab (Mabthera®), Tocilizumab (Roactemra®),
- Sulfasalazin,
Arthritis
Unter rheumatoider Arthritis versteht man eine chronisch entzündliche Systemerkrankung des Bindegewebes, wobei in erster Linie die kleinen Finger- und Zehengelenke (aber auch die Gelenke von Hand, Knie, Schulter, Fuß, Hüfte) betroffen sind. Durch eine unbekannte Noxe kommt es zu einer entzündlichen Reaktion in der Gelenkkapsel, die eine Antigenfreisetzung zur Folge hat, die das humorale und zelluläre Abwehrsystem aktiviert. Dabei kommt es zur Freisetzung von Zytokinen, die die entzündliche Reaktion weiter unterhalten (Autoimmunerkrankung). Man unterscheidet nach ihrer pathophysiologischen Funktion 3 Gruppen von Zytokinen, die bei allen Rheumapatienten vorkommen - das Gleichgewicht scheint aber in Richtung proinflammatorische Zytokine verschoben zu sein:
- Proinflammatorische Zytokine (IL-1, IL-2, IL-6, IL-8, IL-15, IL-18, TNF-alfa)
- Antiinfammatorische Zytokine (IL-4, IL-10, IL-13, TNF-beta)
- Antizytokinproteine (löslicher TNF-alfa oder IL-1-Rezeptor)
Literatur
Jasek, Wolfgang; Austria-Codex Fachinformation, 61. Aufl., Bd. 1-4, Österr. Apotheker-Verl., Wien, 2008/2009.
Mutschler, E. et al., Arzneimittelwirkungen, 8., völlig neu bearb. u. erweit. Aufl., wiss. Verl. Ges. mbH, Stuttgart, 2001.
http://magazine.merck.de/de/Life_and_Assistance/Lodotra/Lodotra1.html
Buttgereit F, et al., Efficacy of modified-release versus standard prednisone to reduce duration of morning stiffness of the joints in rheumatoid arthritis (CAPRA-1): a double-blind, randomised controlled trial, Lancet, 2008 Jan 19;371(9608):183-4.
Tags: circadianer Rhythmus, Galenik, Glukokortikoid, Prednison, Rheumatoide Arthritis, Zytokine





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