Naproxcinod – erstmalige Kombination von NSAR und NO-Freisetzung
Nitronaproxen, AZD-3582, HCT-3012
Anwendung: Gelenksarthrose
Der neue Wirkstoff Naproxcinod hat einerseits als Strukturelement ein Nitrat, d.h. einen Organoester der Salpetersäure, andererseits aber auch die Struktur des bekannten nichtsteroidalen Antirheumatikums Naproxen. Als Nitrat ist die Verbindung ein NO-Donor und erhält dadurch eine weitere Wirkungskomponente. Naproxcinod begründet damit eine neue Klasse von NSAR, eine Gruppe die der Hersteller als sogenannte CINODs bezeichnet. Unter dieser Bezeichnung fasst man die beiden genannten Wirkungen zusammen (cyclooxygenase inhibiting NO donors). Zunächst dürfte die Zulassung zur Behandlung der Arthrose erfolgen. Unter Arthrose versteht man eine degenerative Gelenkserkrankung, die grundsätzlich von dem Begriff der Arthritis, einer entzündlichen Gelenksveränderung, abzugrenzen ist. Bei den Arthrosen handelt es sich somit um einen Gelenksverschleiß („kaltes“ Geschehen), im Gegensatz zur Entzündung eines Gelenks, einhergehend mit Schwellung, Rötung und Wärmeempfinden. Die Arthrose ist somit ein Gelenkschaden, die mit einem Abbau des Gelenkknorpels beginnt. In schweren Fällen kommt es schließlich zu Umbauprozessen im benachbarten Knochen, die Gelenkoberfläche wird zerstört. Die Folgen der Erkrankung sind daher Schmerzen und Steifigkeit des Gelenks mit Bewegungseinschränkungen. Die Gelenke können sich verformen und schließlich ganz verknöchern. Es gibt verschiedene Maßnahmen, die diesen Prozess verlangsamen, eine ultimative Therapie ist der operative Gelenkersatz. Die Arthrose kann an jedem Gelenk im Körper entstehen. Am meisten betroffen sind jedoch die Knie- (Gonarthrose) und Hüftgelenke (Coxarthrose), auf denen viel Gewicht lastet. Für dieses Einsatzgebiet ist die Anwendung von Naproxcinod zunächst vorgesehen. Der neue Wirkstoff befindet sich derzeit in der späten Phase III Entwicklung. Präklinische Studien zeigten, dass Naproxcinod weniger gastrointestinale Verletzungen induzierte, obgleich es ähnliche antiphlogistische und analgetische Aktivität wie Naproxen aufwies. Phase II und III Studien bestätigten dieses positive Wirkungsprofil. Im Gegensatz zu Naproxen führt aber Naproxcinod auch zu keiner Blutdruckerhöhung, vielmehr kommt es auf Grund seiner Funktion als NO-Donor sogar zu einer geringen Blutdrucksenkung um 2 bis 3 mm Hg. Nachdem berechtigterweise bei Herz-Kreislauf-Patienten der Einsatz von selektiven COX-2 Hemmern nur mit Einschränkung vorgenommen werden kann, dürfte sich künftig mit Naproxcinod und dessen NO-freisetzender Komponente eine attraktive Alternative zu den Coxiben bzw. traditionellen NSARs anbieten. Trotzdem aber sollte auch bei der Anwendung von Naproxcinod bei Risikopatienten mit Prädisposition zu Magen-Darm-Ulcera eine Komedikation mit Protonenpumpenhemmern vorgenommen werden. Naproxcinod wurde von dem Pharma-Unternehmen NicOx entwickelt, das Moleküle mit bekannter pharmakologischer Wirkung mit NO-freisetzenden funktionellen Gruppen verknüpft. NicOx veröffentlichte im Herbst 2008 die Ergebnisse dreier erfolgreicher Phase III Zulassungsstudien bei Patienten mit Knie- und Hüftarthritis. Dabei erreichte Naproxcinod in allen drei Studien den primären Endpunkt, nämlich die Überlegenheit gegenüber Placebo und die Nichtunterlegenheit gegenüber Naproxen, mit dem Vorteil der geringen Blutdrucksenkung. Erst kürzlich wurde die Zulassung bei der U.S. amerikanischen FDA beantragt.
Hersteller: NicOx (F).
Quellen: http://www.nicox.com/update/home_engl.html; http://www.nicox.com/upload/AJCpaper_Alert_210909_EN.pdf; http://www.nicox.com/upload/PR_NDA_submission-250909__EN.pdf.
Autor:
Ao. Univ.-Prof., Dr. rer. nat., Mag. pharm. Helmut Spreitzer
Tags: Arthrose, CINOD, Gelenksarthrose, NO-Donator, NSRA, NSRA-NO-Kombinationspräparat




Seit wann gibt es diese Kombination und wie gut hilft diese gegen Arhtrose? Bisher sind mir nur schmerzlindernde Mittel gegen Arthrose bekannt. Ich hoffe mal das es nicht allzulang dauern wird, bis es ein Medikament dagegen gibt.
Welches Unternehmen wird dieses Präparat in Deutschland vertreiben?
MfG
Dr. Friedrich Monzel
Die NicOx hat bei der EMEA um ein Zulassung eingereicht und das Ergebnis für das erste Quartal 2009 erwartet. Bis jetzt findet sich jedoch weder im Austria Codex noch in der Roten Liste ein Präparat mit dem Wirkstoff.