Plattformen: Focus | News & Blog | Office | Advance | Academic

Linagliptin – ein neuer DPP-4 Hemmer

Anwendung: Typ-2 Diabetes

linagliptinMit der Entdeckung und der medikamentösen Beeinflussung des Inkretinsystems wurde in den letzten Jahren ein gänzlich neues Kapitel bei der Behandlung von Typ 2 Diabetes aufgeschlagen. Als Inkretine bezeichnet man Hormone, die bei Nahrungsaufnahme im Darm gebildet und freigesetzt werden und neben dem Blutzuckerspiegel auch noch eine Reihe anderer physiologischer Abläufe steuern. Auch wenn es schon früher Indizien für die Existenz dieses Systems gab, gelang es erst in den 60er Jahren eindeutig zu belegen, dass die Plasmainsulinspiegel bei oral verabreichter Glukose deutlich höher anstiegen, als wenn man die gleiche Menge intravenös appliziert (sog. Inkretineffekt). Die betreffenden Hormone, GIP (Gastric Inhibitory Polypeptide) und GLP-1 (Glukagon-like-Peptide 1) fasste man zur Gruppe der Inkretine zusammen. Man weiß nun seit langem, das bei Typ-2 Diabetikern das Inkretin-System nicht mehr ausreichend intakt ist. Eine therapeutische Möglichkeit, dieses System zur Behandlung von Typ-2 Diabetes zu nutzen, besteht nun einerseits in der Verabreichung von GLP-1 Mimetika. In Gegensatz zum natürlichen GLP-1, das eine biologische Halbwertszeit von nur wenigen Minuten hat, haben diese eine für therapeutische Zwecke ausreichend große Stabilität . Als erste derartige Verbindung ist 2007 Exenatid (Byetta®) auf den Markt gekommen, seit Juli 2009 ist Liraglutid (Victoza®) von der EMEA zugelassen worden. Neben dieser  positiven Beeinflussung auf direktem Wege durch Inkretinmimetika, gibt es aber auch die Möglichkeit, auf indirektem Weg in das System einzugreifen. Der Schlüssel dazu besteht in der Blockade des Enzyms DPP-4 (Dipeptidyl-peptidase-Typ 4). Dieses Enzym bewirkt im physiologischen Ablauf den Abbau der Inkretine, durch DPP-4 Blockade lässt sich somit der Inkretineffekt, der ja beim Typ-2 Diabetiker insuffizient ist, steigern bzw. verlängern. Neben Vildagliptin (Januvia®) und Vildagliptin (Galvus®), die seit kurzem am Markt sind, befindet sich Linagliptin als nächster DPP-4 Hemmer bald am Ende der Pipeline und soll demnächst die Palette der oralen Antidiabetika bereichern. Linagliptin ist ein hochselektiver DPP-4 Hemmer mit lang anhaltender Wirkung und wird zu über 94 Prozent nicht renal sondern biliär ausgeschieden. Dass nur 6 Prozent über die Niere ausgeschieden werden, ist vor allem für ältere Patienten, die oftmals unter einer eingeschränkten Nierenfunktion leiden, ein großer Nutzen. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Gabe von Hemmern der Dipeptidylpeptidase-4 (DPP-4) nicht zu Unterzuckerungen führt. Die bisherigen Studiendaten zeigen für Linagliptin in der Dosis von 5 mg/kg über vier Wochen eine HbA1c-Senkung von 0,37 Prozent vs. Placebo. Derzeit läuft ein groß angelegtes Phase-III-Studienprogramm zur Wirksamkeit und Sicherheit von Linagliptin in mehr als 50 Ländern.

Hersteller: Boehringer-Ingelheim.

Quellen: http://www.aerztezeitung.de/medizin/krankheiten/diabetes/article/549289/linagliptin-lang-wirksam-selektiv-biliaer-eliminiert.html; http://www.boehringer-Ingelheim.ch/Deutsch/Home/News_Centre/news_detail.jsp?paramOid=2380 .

Autor:

Ao. Univ.-Prof., Dr. rer. nat., Mag. pharm. Helmut Spreitzer

Tags: , , , , , , , , ,

3 Kommentare zu “Linagliptin – ein neuer DPP-4 Hemmer”

  1. ehaas sagt:

    Linagliptin ist seit Oktober 2011 als Trajenta® zugelassen und wird zur Zeit von den Krankenkassen nur mit chefärztlicher Bewilligung bezahlt.

Artikel kommentieren