Peramivir – das nächste Grippemittel
Anwendung: Influenza
Mit Peramivir wird voraussichtlich in etwa eineinhalb Jahren der nächste Wirkstoff gegen Influenza auf den Markt kommen. Der Wirkungsmechanismus ist ident mit dem von Oseltamivir. Als Neuraminidasehemmer verhindert es durch die Blockade des Virushüllproteins Neuraminidase das Abkoppeln neuer Viren von der infizierten Zelle. Dadurch wird die Infektion neuer Zellen und somit die Ausbreitung der Infektion verhindert. Peramivir ist seit einigen Jahren in klinischer Erforschung und gilt als aussichtsreicher Kandidat. Als injizierbarer Wirkstoff soll Peramivir künftig vor allem im Krankenhaus und bei schwerkranken Patienten eingesetzt werden. Nach einer bislang noch unveröffentlichten Phase-III-Studie konnte im vergangenen Winter nachgewiesen werden, dass Peramivir die Krankheitssymptome ebenso gut bessert wie Oseltamivir (Tamiflu®). So wurden an einem von 146 Untersuchungszentren in Japan, Korea und Taiwan 1100 Patienten entweder mit Peramivir oder mit Oseltamivir behandelt. Die einmalige Dosis von 300 oder 600 Milligramm Peramivir wurde intravenös verabreicht; in der Vergleichsgruppe erhielten die Patienten zweimal täglich Oseltamivir über einen Zeitraum von fünf Tagen. Der primäre Endpunkt, Besserung der Symptomatik, wurden in der 300 mg Dosierung nach durchschnittlich 78 Stunden, in der 600 mg Gruppe nach 81 Stunden erreicht (im Vergleich: 82 Stunden in der Oseltamivir-Gruppe). Unerwünschte Wirkungen wurden unter Peramivir jedoch deutlich seltener registriert als unter Oseltamivir. Interessant ist, dass bereits 2001 der Pharmakonzern Johnson & Johnson die Entwicklung des Wirkstoffs wegen fehlender Nachfrage und schlechter Bioverfügbarkeit nach oraler Applikation abgebrochen hatte. Im Zuge der Vogelgrippe war Peramivir im Jahr 2005 aber als injizierbare Alternative zu Tamiflu® und Relenza® erneut ins Interesse der Forscher gerückt. Für Herbst stehen zwei weitere Phase-III-Studien an, in denen die Einmalgabe von 600 mg Peramivir mit der zweimaligen Injektion von jeweils 300 mg verglichen werden soll. Diese Studien sollen 2011 abgeschlossen werden. Aktuell ist, dass Peramivir in den USA nun vorzeitig zum Notfall-Gebrauch für Patienten mit Schweinegrippe zugelassen wurde. Obwohl noch in Phase III Prüfung hatte die Gesundheitsbehörde CDC (Center for Disease Control and Prevention) die US-Zulassungsbehörde FDA aufgefordert, das Arzneimittel für die Zeit der Pandemie freizugeben. Die Indikation beschränkt sich auf Kinder und Erwachsene mit nachgewiesener oder vermuteter Schweinegrippe, die im Krankenhaus behandelt werden. Peramivir darf diesen Patienten nur verabreicht werden, wenn eine Therapie mit einem oralen oder zu inhalierenden Neuraminidasehemmer (Tamiflu® und Relenza®) nicht wirksam, verlässlich oder möglich ist, oder wenn der behandelnde Arzt eine intravenöse Therapie aus anderen Gründen für angemessen hält. Peramivir darf auch noch nicht Patienten mit saisonaler Influenza oder ambulanten Patienten mit H1N1-Infektion verabreicht werden.
Hersteller: BioCryst Pharmaceuticals Inc.
Quellen: http://www.medknowledge.de/neu/med/jahr/2009/IV-2009-25-peramivir.htm; http://www.apotheke-adhoc.de/Nachrichten/Wissenschaft+und+Forschung/7706.html; http://www.apotheke-adhoc.de/Nachrichten/Wissenschaft+und+Forschung/8358.html;
Autor:
Ao. Univ.-Prof., Dr. rer. nat., Mag. pharm. Helmut Spreitzer
Tags: Grippe, Grippemittel, H1N1, H1N1-Infektion, Influenza, Neuraminidasehemmer, Schweinegrippe, Tamiflu, Vogelgrippe



