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Taurin - eine nicht proteinogene Aminosäure mit antioxidativen Eigenschaften

taurinTaurin (Ethanolaminsäure) ist ein schwefelhaltiges Aminosäurederivat, das in der Leber aus L-Methionin und L-Cystein unter Beteiligung von Vitamin B6 gebildet wird.

Es ist nicht am Aufbau von körpereigenem Eiweiß beteiligt und liegt größtenteils in freier ungebundener Form im Organismus vor. Für Frühgeborene und Kleinkinder ist es essentiell. Besonders hohe Konzentrationen an Taurin weisen die Retina, das Zentralnervensystem und die Thrombozyten auf.

Der Name stammt aus dem Griechischen (tauros = Stier), da es 1824 von Gmelin erstmals aus Ochsengalle hergestellt wurde.

Vorkommen

Taurin wird im Körper mit Hilfe von Vitamin B6 aus Methionin und Cystein in der Leber und im Gehirn in ausreichender Menge gebildet.

taurin-biosynthese

Gute Nahrungsquellen für Taurin sind Fisch, Fleisch (10-40mg/100g), Milchprodukte und Rotalgen. Am besten wird Taurin resorbiert, wenn es auf leeren Magen eingenommen wird.

Bedarf

200-400* mg

*geschätzte Zufuhr mit gemischter Kost

(Bei Designer-Energy-Drinks werden bis zu 400mg/100ml als so genannter ergogener Wirkstoff zugesetzt.)

Wirkung

  • Taurin schützt die Zellmembranen der Retina auf Grund seiner antioxidativen Eigenschaften (bei Entzündungen wird von den Phagozyten und Makrophagen in der Retina Hypochlorit gebildet).
  • Es hat eine positiven Einfluss auf das Lungenepithel
    • auf Grund seiner antiinflammativen Wirkung (bei Einwirkung von Ozon und Umweltgiften wie Formaldehyd),
    • wegen seiner antibakteriellen Wirkung (bei Peritonitis) und
    • wegen seiner Antitumorwirkung.
  • Es regelt die Herzfunktion auf Grund der positiv inotropen, antiarrhytmischen und blutdrucksenkenden Eigenschaften und es beeinflusst die intrazelluläre Calciumaktivierung und die magnesiumabhängige Na/K-ATPase.
  • Im Zentralnervensystem stabilisiert es die Membranen der Nervenzellen und es entfaltet eine antineoplastische Wirkung indem es den tumorinduzierten vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor hemmt. Daneben wird auch über eine Erhöhung des Acetylcholingehaltes im Gehirn nach Tauringaben berichtet. Acetylhomotaurin (Acamprosat) beeinflusst den Glutamat-Haushalt im Gehirn (Anti-Craving-Medikament bei der Therapie des Alkoholismus).
  • Taurin ist wichtig für die Entgiftung von endogenen und exogenen toxischen Verbindungen.
  • Es beeinflusst den Stoffwechsel der Gallensäuren und die Fettresorption und es vermindert das Risiko für die Bildung von Gallensteinen.
  • Es spielt eine wichtige Rolle beim Immunsystem.

(Im Leistungssport wird es als ergogener Wirkstoff eingesetzt - eine wissenschaftliche Grundlage dafür gibt es allerdings nicht. Auch als “Fatburner” wird es eingesetzt, ohne dass dafür seriöse Veröffentlichungen vorliegen).

Mangel

Immunschwäche; Lungenentzündung; Erhöhung des Risikos für Erkrankungen, die durch freie Radikale hervorgerufen werden; Störungen der Gallensäurekonjugation und des Leberstoffwechsels;

Ursachen für einen Mangel können sein: Erhöhter Bedarf (Frühgeborene, Kleinkinder), Ernährung (totale parenterale Ernährung), Chemo- und Strahlentherapie, Niereninsuffizienz, Infektionen, Mukoviszidose, Sepsis, Trauma, Mangel an Cofaktoren (Vitamin B6, Cystein, Methionin);

Unerwünschte Wirkungen / Toxizität

Bei hohen Dosierungen kann es zu gastrointestinalen Störungen und zu zentral dämpfenden Wirkungen kommen.

Interaktionen

Es verstärkt die Wirkung von Coffein.

(Coffein wirkt ZNS-stimulierend, steigert die Leistungsfähigkeit und hebt Ermüdungserscheinungen auf, wobei der Blutdruck NICHT steigt, da gleichzeitig Haut, Nieren- und Koronargefäße erweitert werden. - Siehe PXP-Focus-Archiv-Fortbildungsmodul 2006-Natürlich vorkommende Xanthine)

Anwendung

Anwendungsmöglichkeiten von Taurin finden Sie bei PharmXplorer Office/Beratung/Mikronährstoffe.

Quellen

Gröber, Uwe; Orthomolekulare Medizin, 2.Aufl., Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2002.

Zimmermann, Michael; et al.; Burgersteins Handbuch der Nährstoffe, Haug Verlag, Heidelberg, 2000.

Ensminger, Audrey H. et al., Foods&Nutrition Encyclopedia, 2.Edition, CRC Press, Boca Raton, u.a., 1994.

Falbe, Jürgen; Regitz, Manfred; Römpp Lexikon Chemie, 10., völlig überarb. Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart, u.a., 1996.

Muss, Wolfgang Claus; Orthomolekulare Medizin Immunmodulation durch Aminosäuren, Pharmazeutische Zeitung, 47/2002, (18.11.2002). (http://www.pharmazeutische-zeitung.de/).

DAZ 02/37, Prostatakrebs: Tomatensauce als Präventionsmittel, (12-09-2002), Quelle: Lancet Oncology 2002, Vol.3, Nr.4, S.198. (http://www.deutscher-apotheker-verlag.de/DAZ/).

Jacobi DA; et al.; Taurolidine–a new drug with anti-tumor and anti-angiogenic effects, Anticancer Drugs. 2005 Oct;16(9):917-21. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?DB=pubmed).

Rodak R; et al.; Induction of reactive oxygen intermediates-dependent programmed cell death in human malignant ex vivo glioma cells and inhibition of the vascular endothelial growth factor production by taurolidine, J Neurosurg. 2005 Jun;102(6):1055-68.(http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?DB=pubmed).

Fuchs, Norbert; Mit Nährstoffen heilen, Eine Einführung in die komplexe Orthomolekulare Nährstoff-Therapie, 3.überarbeit. u. erweit. Aufl., Ralf Reglin Verlag, Köln, 2007.

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