Odanacatib – gegen die gefürchteten Knochenmetastasen
Anwendung: Osteoporose, Knochenmetastasenprophylaxe bei Brust- und Prostatakrebs; Kathepsin-K-Inhibitor
Wenn Brustkrebszellen durch die Lymphgefäße oder über das Blut in andere Organe wandern und sich dort vermehren, bilden sich Metastasen. Brustkrebszellen können sich in fast allen Organen im Körper vermehren. Besonders häufig findet man sie im Skelett. Der Grund liegt darin, dass Knochen sehr gut durchblutet sind und eben deshalb einzelne Tumorzellen sehr leicht dorthin gelangen können. Zudem ist das Mikromilieu, also beispielsweise das Angebot an Nährstoffen im Knochen, ein fruchtbarer Boden für das Wachstum menschlicher Krebszellen. Am häufigsten werden die Wirbelkörper befallen, dann in absteigender Häufigkeit Oberschenkelknochen, Becken, Rippen, Brustbein, Schädel und Oberarmknochen.
Zu den häufigsten Symptomen von Knochenmetastasen gehören Schmerzen. Die Krebszellen verändern die Struktur des Knochens und beeinträchtigen seine Stabilität, so dass die Gefahr von Brüchen deutlich steigt. Breiten sich Metastasen im Bereich der Wirbelsäule aus, können sie auch das Rückenmark beschädigen und zu Lähmungen führen. Auch für Prostatakrebs-Patienten ist das Risiko, an Knochenmetastasen zu erkranken, groß. Etwa 20% der Betroffenen haben bereits zum Zeitpunkt der Erstdiagnose Metastasen. Im fortgeschrittenen Krankheitsstadium erhöht sich die Zahl auf rund 70%. Tatsächlich zeigten Studien, dass Metastasen die wichtigste Todesursache von Betroffenen mit Prostatakrebs sind. Ein Weg, der Knochenmetastasierung vorzubeugen liegt künftig möglicherweise in der Hemmung des Enzyms Kathepsin-K. Der neue Wirkstoff Odanacatib blockiert hoch selektiv dieses Enzym, das eine wichtige Rolle beim Abbau der Proteine im Knochen spielt. Bei Krebserkrankungen, die in die Knochen metastasiert haben, beschleunigen die Tumorzellen den normalen Prozess des Knochenabbaus und -aufbaus, und dies führt wiederum zu weiterem Tumorwachstum und Knochenverlust. Durch die Hemmung der Kathepsin-K-Aktivität stellt Odanacatib einen potenziellen neuen Therapieansatz für metastatischen Knochenbefall dar, der sich in seinem Wirkprinzip von anderen häufig eingesetzten Substanzen unterscheidet. Bereits in einer Phase II Studie führte die Behandlung mit einmal täglich oral verabreichtem Odanacatib 5 mg (n=29) nach vier Wochen zu einer Senkung des N-Telopeptid-Werts im Urin (uNTx), einem häufig verwendeten Marker für die Knochenresorption, um 77 Prozent im Vergleich zu den Ausgangswerten. Diese Ergebnisse waren bereits am siebten Tag, dem ersten Messzeitpunkt, feststellbar. Zusätzlich wurde unter Odanacatib eine Reduktion weiterer Knochenumsatzmarker beobachtet, darunter der Knochenresorptionsmarker Deoxypyridinolin im Urin (uDPD) und die knochenspezifische alkalische Phosphatase im Serum (sBSAP), ein Marker der Knochenbildung. Auf der Grundlage der Ergebnisse werden nun größere Phase III-Studien geplant, in der Odanacatib, 5 mg einmal täglich, bei Patienten mit Brust- oder Prostatakrebs untersucht werden soll.
Weiters zeigten die Ergebnisse einer Phase-IIb Studie zur Osteoporoseprävention mit 399 Frauen ein sehr ermutigendes Resultat. Alle Studienteilnehmerinnen hatten eine geringe Knochendichte (T-Score zwischen -2,0 und -3,5). Innerhalb der zweijährigen Studiendauer nahm bei allen Frauen in der Verumgruppe die Knochendichte zu und zwar bei allen drei Dosierungen (10, 25 und 50 mg einmal pro Woche). In der Placebogruppe sank die Knochendichte. Alle Teilnehmerinnen erhielten zusätzlich Kalzium und Vitamin D. Bei den 58 Frauen mit 50 mg/Woche Odanacatib stieg die Knochendichte an der Lendenwirbelsäule um 5,5 Prozent, mit Placebo nahm sie um 0,2 Prozent ab. Auch an der Hüfte wurde eine Zunahme der Knochendichte festgestellt und zwar um 3,2 Prozent – versus minus 0,9 Prozent mit Placebo. Derzeit laufen Phase-III Studien, mit einer Zulassung kann in etwa zwei Jahren gerechnet werden.
Hersteller: Merck, Sharp & Dome.
Quellen: http://www.journalonko.de/newsview.php?id=2647; http://www.prous.com/molecules/default.asp?ID=172; http://www.medicalnewstoday.com/articles/164018.php.
Autor:
Ao. Univ.-Prof., Dr. rer. nat., Mag. pharm. Helmut Spreitzer
Tags: Brustkrebs, Deoxypyridinolin, Kathepsin-K, Kathepsin-K-Inhibitor, Knochenmetastasenprophylaxe, N-Telopeptid-Werts, Osteoporose, Osteoporotikum, Prostatakrebs, Zytostatikum
Dieser Artikel wurde am 28.02.2010 um 10:25 von kschweig unter Alle, Zukunftsorientierte Arzneistoffe veröffentlicht. Sie können einen Kommentar oder ein Trackback abgeben.




