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Orthomolekulare Medizin – Osteoporose und Knochenstoffwechsel

Die Volkskrankheit Osteoporose wird definiert als eine systemische Erkrankung des Skeletts unterschiedlicher Genese mit einer generalisierten oder lokalen Verminderung des Knochengewebes, infolge einer negativen Bilanz des Knochenstoffwechsels und Qualitätsminderung der Mikrostruktur. Während die Gabe von Vitamin D und Calcium seit langem in der evidenzbasierten Medizin ihren Platz einnimmt, wird in der Orthomolekularen Medizin das Augenmerk auch auf eine ganze Reihe anderer Mikronährstoffe gelegt.

Als Hauptursache der Osteoporose ist ein nahrungsbedingter Calciummangel zu sehen, obwohl auch andere Nahrungsbestandteile, wie Magnesium, Vitamin D und Vitamin K für den Skelettaufbau essentiell sind. Neben hormonellen und genetischen Faktoren spielen bei der Osteoporoseentwicklung auch Bewegungsmangel, Arzneimittel (Glucocorticoide, Antiepileptika), Nikotin- und Alkoholabusus eine wichtige Rolle.

Ernährungsempfehlung

Eine knochengesunde und ernährungsphysiologisch hochwertige Ernährung besteht aus calciumreichen Milchprodukten und naturbelassenen Nahrungsmitteln mit einem hohen Anteil an frischem Obst und Gemüse. Zur Reduktion nächtlicher Knochenabbauprozesse sollte auf eine calciumreiche Spätmahlzeit (z.B. Joghurt) geachtet werden.

Osteoporose tritt zwar meist erst bei älteren Personen auf, da jedoch die Hauptmasse des Knochens im Alter bis zu ungefähr 20 Jahren gebildet wird, und sich die Abnahme der Knochendichte weniger drastisch auswirkt, wenn sie in jungen Jahren maximal war, beginnt eine gute Vorsorge mit einer calciumreichen Ernährung in der Kindheit und Jugend.

Nahrungsmittel die zu Calciumverlusten beitragen

  • Einfache raffinierte Kohlenhydrate
  • Kochsalz
  • Tierisches Eiweiß u. Fett (haben oft einen hohen Gehalt an Methionin, das zu einer Übersäuerung des Organismus und zu erhöhten Calcium-Verlusten beiträgt)
  • Phosphorreiche Nahrung (Cola, Wurstwaren..)

Besondere Hinweise:

  • Kaffee- und Alkoholkonsum sollte reduziert werden
  • Das Rauchen sollte aufgegeben werden
  • Tägliche körperliche Betätigung (Gehen, Jogging, Tennis) kann die Knochendichte erhalten oder sogar erhöhen

Knochenstoffwechsel

Der Knochenaufbau und Knochenabbau wird unter physiologischen Bedingungen hauptsächlich durch die antagonistisch wirkenden Hormone Parathormon und Calcitonin gesteuert.

Parathormon wird in den Nebenschilddrüsen gebildet und aus diesen bei niedriger Ca2+-Konzentration im Extrazellularraum feigesetzt. Eine hohe Ca2+-Konzentration im Extrazellularraum führt zu einer Hemmung der Hormonfreisetzung.

Es steuert die Osteolyse, wobei es sowohl Knochen-aufbauend (Osteoblasten) als auch Knochen-abbauend (Osteoklasten) wirkt. Die Osteoklastenfunktion ist dabei stärker ausgeprägt, sodass Parathormon im Gesamten für den Knochenabbau verantwortlich ist.

An den einzelnen Organen entfaltet Parathormon folgende Wirkungen:

  • In der Niere:
    • Ca- und Mg- Rückresorption im distalen Tubulus
    • Ausscheidung von HPO42+ und H2PO4- im proximalen Tubulus
    • Synthese von Calcitriol, der Wirkform von Vitamin D3
  • Im Knochen: eine Osteolyse, die auf einer Aktivierung der Osteoklasten beruht und eine Mobilisierung von Ca2+ und Phosphat zur Folge hat.
  • Am Intestinaltrakt erhöht das Hormon indirekt über die vermehrte Calcitriol-Bildung, die Resorption von Ca2+ und Phosphat.

In Summe bewirkt Parathormon

  • eine Erhöhung des Blut-Ca-Spiegels und
  • Erniedrigung des Blut-Phosphat-Spiegels.

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Calcitonin wird in der Schilddrüse gebildet und bei hoher Ca-Konzentration des Extrazellularraumes aus den C-Zellen der Schilddrüse freigesetzt. Eine Abnahme des Calciumspiegels hemmt die Hormonfreisetzung.

Es wirkt Knochen-aufbauend und senkt die Ca-Ionen-Konzentration des Blutes. Diese Wirkung ist teilweise auch dadurch bedingt, dass Calcitonin die Osteoklastentätigkeit herabsetzt und die Umwandlung von Osteoklasten in Osteoblasten fördert.

Calcitonin bewirkt

  • An der Niere: eine geringfügige Ausscheidung von Ca-, Mg-, Na-, K-, und Phosphat-Ionen
  • Am Knochen:
    • Hemmung der Osteoklastenaktivität und Abgabe von Ca- und Phosphat-Ionen in das Blut.
    • Einbau von Ca in den Knochen

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Anwendungsmöglichkeiten von Mikronährstoffen

Die Integrität der Knochen hängt in erster Linie von einer regelmäßigen und ausreichenden Versorgung mit Calcium ab, wobei die Calciumbilanz speziell durch ein Übermaß an Kochsalz und tierischem Eiweiß, sowie durch hohen Kaffee- und Alkoholkonsum empfindlich gestört werden kann. Vitamin D, als eine der wichtigsten Cofaktoren für eine ausreichende Calciumversorgung, fördert die Calciumresorption im Darm und die Calciumeinlagerung in den Knochen. Besonders in den Wintermonaten, in denen durch die geringe Sonnenbestrahlung der Haut, häufig ein Mangel an diesem Vitamin entsteht, sollte auf eine ausreichende alimentäre Zufuhr von Vitamin D geachtet werden. Vitamin K ist an der Gamma-Carboxylierung des Knochenmatrixproteins Osteocalcin beteiligt, das vor allem in schnell wachsenden Knochenabschnitten vorkommt. Magnesium fördert die Calciumresorption und Knochenmineralisation, da die Umwandlung von Vitamin D in seine aktive Form (1,25-Dihydroxycolecalciferol) durch das magnesiumabhängige Enzym 1-alfa-Hydroxylase erfolgt. Fluorid steigert die Aktivität der Osteoblasten, stimuliert das Knochenwachstum und erhöht die Knochenstabilität. An der Knochenmineralisation und Knorpelbildung sind auch Kupfer (durch das Enzym Lysyl-Oxidase, welches die Quervernetzung der Kollagenfasern steuert) und Mangan (durch das Enzym Glykosyltranferase) beteiligt. Da Homocystein die Quervernetzung von Elastin und Kollagenfasern beeinträchtigt, können sich Folsäure, Vitamin B6 und Vitamin B12, die am Homocysteinabbau beteiligt sind, positiv auf den Knochenstoffwechsel auswirken. Bor reduziert die renale Calciumausscheidung und Zink, das durch die erhöhte Knochenresorption vermehrt über die Niere ausgeschieden wird, sollte ebenfalls zugeführt werden.

Anwendungsmöglichkeiten von Mikronährstoffen in der orthomolekularen Medizin sind auf PharmXplorer-Office ausführlich verfügbar

Nährstoffempfehlungen bei Osteoporose

Nährstoff Empfohlene Tagesdosis Kommentare
Vitamin D 400-1000 I.E.

(z.T. bis 3000 I.E.)

Bei älteren Menschen kann die Häufigkeit von Oberschenkelhalsbrüchen durch Vitamin D deutlich gesenkt werden.
Vitamin K 80-200 mcg Achtung: therapeutische Dosis! Die Gabe von Vitamin K soll grundsätzlich nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen!!!

Vitamin K ist an der gamma-Carboxylierung des Knochenmatrixproteins Osteocalcin beteiligt, welches in schnell wachsenden Knochenabschnitten vorkommt und für den Einbau von Calcium u. Phosphat in den Knochen von Bedeutung ist.

Vitamin A 2500-7500 I.E. Vit.A ist essentiell für das Körperwachstum und die normale Zelldifferenzierung der Endothelien und Knochen.
Vitamin E 400-800 I.E. Vit.E wirkt auf Grund seiner entzündungshemmenden Wirkung unterstützend bei Osteoporose.
Vitamin B6, 0,4-1 mg Diese Vitamine senken den Homocystein-Blutspiegel. -  Homocystein beeinträchtigt die Quervernetzung von Elastin und Kollagenfasern
Vitamin B12, 0,4-1 mg
Folsäure 0,4-1 mg
Calcium 100-1500 mg (Citrat) Die Festigkeit des Skeletts ist von einer regelmäßigen Calcium-Versorgung abhängig, – Citrate vermindern die Gefahr der Nierensteinbildung. – Ein Teil der täglichen Dosis sollte abends eingenommen werden, um den nächtlichen Anstieg der Parathormonausscheidung zu reduzieren.
Magnesium 400-600mg (Citrat) Die Umwandlung von Vit.D in seine aktive Form ist Mg-abhängig.

Magnesium fördert die Calcium-Aufnahme u. die Knochenmineralisation.

Zink 10-15 mg Ist wesentlich für die Knochenbildung
Kupfer 1-3 mg Das Cu-abhängige Enzym Lysyl-Oxidase steuert die Quervernetzung der Kollagenfasern.
Mangan 5-15 mg Mn ist an der Knochenmineralisation u. der Knorpelbildung beteiligt.
Fluorid 1 mg Es steigert die Aktivität der knochenbildenden Zellen u. erhöht die Knochenstabilität. Der Einsatz ist teilweise umstritten, da es neben der Steigerung der Knochenneubildung auch Hinweise auf eine erhöhte Knochenbrüchigkeit gibt.

- Die Gabe von Fluorid soll grundsätzlich nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen!!!

Bor 3 mg Bor reduziert die renale Ca-Ausscheidung und wird im amerikanischen Raum bei Osteoporose eingesetzt.
Omega-3-FS 1-2 g Wirken auf Grund der entzündungshemmenden Wirkung unterstützend bei Osteoporose.
g-Linolensäure 200-400 mg
Lysin 0,5-5 g Lysin ist Bestandteil des Kollagens und dieses ist der wichtigste Faserbestandteil von Knochen und Zähnen. Lysin unterstützt die Ca-Resorption aus dem Darm und fördert die Ca-Einlagerung in den Knochen.
Silicium 20-50 mg Silicium scheint für die Knochenbildung und -reifung benötigt zu werden, wobei die Wirkung unabhängig vom Vit.D-Angebot ist. Silicium wirkt hauptsächlich in der Wachstumszone an den Epiphysenenden des Knochens.
Vitamin C 500-1500 mg Vit.C wird für die Proteinsynthese in den Knochen benötigt. Bereits ein geringfügiger Mangel kann zu einem Knochenverlust beitragen.

Quellen

Gröber, Uwe; Orthomolekulare Medizin, 2.Aufl., Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2002.

Zimmermann, Michael; et al.; Burgersteins Handbuch der Nährstoffe, Haug Verlag, Heidelberg, 2000.

Niestroj, I.; Praxis der Orthomolekularen Medizin, 2. durchges. Aufl., Hippokrates Verl., Stuttgart, 1999, 2000.

Mutschler, E.  et al., Arzneimittelwirkungen, 8., völlig neu bearb. u. erweit. Aufl., wiss. Verl. Ges. mbH, Stuttgart, 2001.

www.pharmxplorer.at

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Ein Kommentar zu “Orthomolekulare Medizin – Osteoporose und Knochenstoffwechsel”

  1. Scout sagt:

    Wens interessiert, zur Knochenbildung gibts hier fürs bessere Verständnis eine noch ein wenig detailliertere Beschreibung:
    http://www.xonk.de/biologie/bachelor/zoologie/themen/knochenbildung/
    Gruß,
    Scout

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