Plattformen: Focus | News & Blog | Office | Advance | Academic

Capsaicin (Qutenza®) – bei neuropathischen Schmerzen

capsaicinQutenza®, ein kutanes Pflaster, das rasch hohe Capsaicin-Mengen freisetzt und damit eine prompte Schmerzlinderung erzielt (übliche transdermale Systeme geben nur lansam geringe Wirkstoffmengen an die Haut ab), wird wegen der anspruchsvollen Anwendungstechnik vorläufig nur an Krankenhausapotheken ausgeliefert. Eine einmalige Anwendung erzielt eine  mehrmonatige Schmerzlinderung, bevor sie wiederholt werden muss.

Kurzinformation

Präparat Qutenza®

Wirkstoffgruppe Lokalanästheticum

Wirkmechanismus selektiver Agonismus für den TRPV-Rezeptor (Transient Receptor Potential Vanilloid 1-Rezeptor)

Indikation periphere neuropathische Schmerzen bei Erwachsenen ohne Diabetes

Nebenwirkungen Brennen, Schmerzen, Erythem und Pruritus; schmerzbedingte Blutdrucksteigerung;

Dosierung max. 4 Pflaster (640 mcg/cm2) auf die schmerzhaftesten Hautareale aufbringen – 30 min bis zu 1 Stunde; die applikationsfreien Intervalle müssen mindestens 90 Tage betragen;

Wirkstoff

Capsaicin ist ein hoch selektiver Agonist für den Transient Receptor Potential Vanilloid 1-Rezeptor (TRPV1-Rezeptor).

Die Stimulierung führt zunächst zu einer Aktivierung von TRPV1-exprimierenden kutanen Nozizeptoren, was zu Brennen und Erythemen durch Freisetzung von vasoaktiven Neuropeptiden führt.

Nach der Capsaicin-Exposition werden die kutanen Nozizeptoren weit über den Applikationszeitraum hinaus reversibel „desensibilisiert” (die kutanen Nozizeptoren werden weniger empfindlich für verschiedene Reize). Wahrnehmungen von anderen TRPV1-exprimierenden Hautnerven bleiben offenbar unverändert, einschließlich der Fähigkeit, mechanische Reize und Vibrationsreize wahrzunehmen.

Indikation

Qutenza® wurde klinisch geprüft

  • bei peripheren Neuropathien, die durch Gürtelrose (postherpetische Neuralgie/PHN) hervorgerufen wurden
  • bei HIV-assoziierter Neuropathie

Klinische Studien, die die Wirksamkeit bei diabetischer Neuropathie belegen sollten führten zu unzureichenden Ergebnissen.

Bei der Behandlung zu beachten

  • Die Anwendung darf nur auf unverletzter Haut vorgenommen werden
  • Die Haare müssen entfernt sein, dürfen aber vorher NICHT rasiert werden
  • Die Anwendung erfordert geschultes Personal
  • Es sollen bei der Handhabung Nitrilhandschuhe verwendet werden
  • Gebrauchte Pflaster sollen in Polyethylensäcke für medizinische Abfälle gegeben, versiegelt und gemeinsam mit medizinischem Abfall entsorgt werden

Quellen

Schubert-Zsilavecz, M; Neue Arzneimittel 2010, Brennpunktseminar, Graz, 11.05.2010.

Jasek, Wolfgang; Austria-Codex Fachinformation, 61. Aufl., Bd. 1-4, Österr. Apotheker-Verl., Wien, 2009/2010.

Tags: , ,

10 Kommentare zu “Capsaicin (Qutenza®) – bei neuropathischen Schmerzen”

  1. Horst Schiller sagt:

    Ich interessiere mich für Ihr Schmerzpfaster.
    Die Ursache meiner Schmerzen im Bein/Unterschenkel
    soll ein Nervenschaden im Bereich der Wirbelsäule
    sein. Ist in diesem Fall solch ein Pflaster zu
    empfehlen ? . Dazu möchte ich noch anmerken, das ich
    z.Z. Pflaster mit einem Opiat verwende, das alle drei Tage erneuert werden mus.

    Vielen Dank im voraus für eine hilfreiche Nachricht.

    Horst Schiller

  2. ehaas sagt:

    Da die Anwendung von Qutenza® geschultes Personal erfordert, ist es für die breite Anwendung wohl ungeeignet. Was ihren speziellen Fall betrifft, müßten Sie mit Ihrem behandelnden Arzt sprechen. Falls die Opiat-Pflaster zu dem gewünschten Erfolg führen, ist ihnen jedenfalls der Vorzug zu geben.

  3. Gabi Krüger sagt:

    Mein Arzt will bei mir dieses Pflaster anwenden, da ich durch eine Vaskulitis Nervenschäden mit Schmerzen habe und zwar am rechten Fuß. Wie lange hat man denn Schmerzen von dem Pflaster. Kann man sofort nach der Behandlung wieder Auto fahren. Kann man ohne Schmerzen auftreten. Und wie lange halten diese Schmerzen, starkes Brennen an.

  4. ehaas sagt:

    Der zu behandelnde Bereich wird vor Aufkleben des Pflasters mit einem topischen Anästhetikum (schmerztötendes Mittel) vorbehandelt, um die Beschwerden durch die Anwendung des Pflasters zu reduzieren. Außerdem können akute Schmerzen, die während und nach der Behandlung auftreten durch Kühlung oder durch orale Anagletika (Schmerzmittel, die eingenommen werden)behandelt werden.
    Bezüglich Fahrtüchtigkeit würde ich unbedingt vor der Behandlung mit dem Arzt Rücksprache halten, da dieser die besten Erfahrungswerte hat. Da die Reaktionen auf die Behandlung individuell unterschiedlich sind, ist es jedenfalls zu empfehlen nach der Behandlung nicht selber mit dem Auto zu fahren.

  5. Hans Borth sagt:

    Meine Mutter (81) leidet seit fast vier Jahren unter den chronischen Schmerzen einer Gesichtsrose. Die Behandlung mit Tilidin und Diclofenac lindert den Schmerz etwas, doch beeinträchtigt der Rest-Schmerz erheblich ihr Lebensqualität. Andere Schmerzmittel verträgt meine Mutter nicht, sie führen zu Schwindel und anderen negativen Nebenwirkungen. Nun ist vorgeschlagen worden, den Schmerz mit Qutenza zu behandeln, doch gibt es bisher kaum Ergebnisse. Zudem ist fraglich, ob die Nähe zum höchst empfindlichen Auge eine solche Behandlung angebracht ist, oder die Gefahr einer Verätzung des Auges nach sich ziehen könnte. Mit der Bitte um Antwort, danke, Hans Borth

  6. kschweig sagt:

    Muss auf der Klinik hinterfragt werden, dort werden die bisherigen Therapien dokumentiert.

  7. Balzer sagt:

    Hallo. Ich leide unter Chronische Nerven Schmerzen,
    Rücken, Beine, Hände,Finger,Muskulatur u.s.w. Die Frage wo kann ich kaufen Schmerzpflaster? Oder soll es mein Arzt verschreiben? Bitte um Rückmeldung

  8. Haas sagt:

    Wird in der Regel nur in der Klinik durchgeführt.

  9. Caspers sagt:

    PNP an beiden Beinen, von den Leisten bis zu den Zehen.

    Es soll mir nur ein Pflaste an einem Bein angebracht werde. Das andere, ebenfalls PNP befallene Bein wird nicht behandelt.
    Das ist doch keine Lösung, wenn das Brennen am unbehandelten Bein weitergeht.

Artikel kommentieren