Orthomolekulare Medizin - Augenerkrankungen und Mikronährstoffe
Zu den altersbedingten Augenerkrankungen zählen in erster Linie der graue Star (Katarakt) und die altersbedingte Makuladegeneration (AMD). Diese Erkrankungen stehen in Zusammenhang mit Sonnenlichtexposition und mit verminderten Antioxidanzienspiegeln, hervorgerufen durch falsche Ernährung, Rauchen, Alkohol und verschiedene Krankheiten.
Kararakt (grauer Star)
Unter Katarakt oder grauem Star versteht man eine altersbedingte Trübung der Augenlinse, die sich meist langsam über viele Jahre entwickelt. Es kommt dabei zu einer oxidativen Veränderung der Struktur der Linsenproteine, an der eine Reihe von Faktoren beteiligt ist:
- Sonnenlichtexposition
- verminderter Antioxidanzienspiegel (durch falsche Ernährung, Rauchen, Alkohol, Krankheit)
- nichtenzymatische Verzuckerung von Proteinen (Proteinglykosilierung)
- Linsenschwellung
- Arzneimittel (Glucocorticoide)
Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)
Die altersbedingte Makuladegeneration zählt in den Industriestaaten zur häufigsten Ursache einer erworbenen schweren Sehbehinderung. Dabei kommt es zu einer Verdickung der Basalmembran des retinalen Pigmentepithels, der Bruchschen Membran und zu Ablagerungen zwischen diesen Geweben. Diese Veränderungen treten besonders im Bereich des schärfsten Sehens, der „Makula lutea” auf. Die Ablagerungen enthalten sowohl Abbaustoffe des Sehpigments Rhodopsin, das sogenannte „Lipofuszin”, das phototoxisch wirkt, als auch verschiedene Proteine des Komplementsystems. Ursache für diese Veränderungen sind oxidative Schäden, die hauptsächlich durch das einfallende Licht erzeugt werden.
Sehvorgang
Beim Sehvorgang ist die Wirkform von Vitamin A keine Säure sondern der entsprechende Aldehyd, das Retinal. Durch Oxidation geht Retinol in den zugehörigen Aldehyd Retinal über. Retinal ist Bestandteil des Rhodopsins (Sehpurpurs). Als solches ist es unerlässlich für den Sehprozess. 11-cis-Retinal wird als prosthetische Gruppe an Opsin gebunden. Durch Lichtquanten kommt es zu einer Umwandlung in all-trans-Retinal, wodurch Konformationsänderungen des Opsins und die Abspaltung des Retinals induziert werden. Dabei wird „Transducin” gespalten und eine cGMP-abhängige Phosphodiesterase aktiviert. Es kommt zu einem Abfall der cGMP-Konzentration und damit zum Schließen von Ionenkanälen. Durch die folgende Hyperpolarisierung der Sehzelle wird die Glutamat-Freisetzung an der Synapse gestoppt, was als Lichtsignal dient. Das freie all-trans-Retinal wird von der Retinalisomerase in 11-cis-Retinal umgewandelt und wieder an Opsin gebunden.
Ernährungsempfehlung
Zur Erhaltung einer guten Sehkraft wird ein regelmäßiger Konsum von Früchten und Gemüse (Karotten, Melone, Orangen, Bananen, Erdbeeren, Brokkoli) empfohlen, die Carotinoide, Vitamin A, C, und E, sowie Vitamin B2, Selen und Zink enthalten. Wichtig scheint dabei auch der in Früchten vorkommende Gehalt an Flavonoiden, Isothiozyanten, Phenolen, Fasern und Kalium zu sein.
Menschen, die an einer erblich bedingten Galaktose-Stoffwechselstörung leiden, sollten den Verzehr von Milch und Milchprodukten stark einschränken, da die Anreicherung von Galaktose möglicherweise einen grauen Star verursachen kann.
AREDS (Age-Related Eye Disease Study)
In einer Studie über altersbedingte Augenerkrankungen wurde die Wirkung von hochdosierten Antioxidanzien und Zink auf die Entstehung und Entwicklung der AMD (altersbedingte Makuladegeneration) und Katarakte untersucht. Dabei kam man zu dem Ergebnis, dass die Wahrscheinlichkeit eines Fortschreitens der AMD um 25% und die Wahrscheinlichkeit eines Sehverlustes um 19% verringert werden konnte, während die Entwicklung eines Katarakts nicht beeinflusst wurde.
Mikronährstoffe nach AREDS:
- Vitamin C - 500 mg
- Vitamin E - 400 I.E.
- Betacarotin - 15 mg
- Zink - 80 mg
- Kupfer - 2 mg
In einer Folgestudie (AREDS II), die 2008 eingeleitet wurde, versucht man die AREDS-Medikation zu modifizieren:
- AREDS-Medikation OHNE Betacarotin
- Zink reduziert
- zusätzlich Lutein - 10 mg / Zeaxanthin - 2 mg
- zusätzlich Omega-3-Fettsäuren EPA - 650 mg / DHA - 350 mg
Anwendungsmöglichkeiten von Mikronährstoffen
Die exogenen Antioxidanzien Vitamin C, Vitamin E, Lutein und Zeaxanthin schützen im Zusammenspiel mit endogenen enzymatischen (Superoxiddismutase, Glutathionperoxidase, Catalase) und nichtenzymatischen Antioxidanzien (Glutathion) die Proteinstrukturen vor oxidativem Stress. Lutein und Zeaxanthin reichern sich speziell in der Augenlinse an, wo sie blaues Licht absorbieren und die Sehschärfe und Kontrastempfindlichkeit verbessern.
Nährstoffempfehlungen bei Augenerkrankungen
| Nährstoff |
Empfohlene Tagesdosis |
Kommentare |
| Betacarotin |
9-15 mg |
Carotinoide reichern sich in der Augenlinse an und schützen vor oxidativen Schädigung durch Sauerstoffradikale. Betacarotin wurde in Kombination mit Vit. C und Se erfolgreich bei AMD eingesetzt. |
| Lutein |
10-20 mg |
Lutein und Zeaxanthin absorbieren blaues Licht und verbessern die Sehschärfe und Kontrastempfindlichkeit. |
| Zeaxanthin |
2 mg |
|
| Vitamin A |
3000-10.000 I.E. |
Vit.A ist Bestandteil von Rhodopsin (Sehpurpur) und für die Sehfunktion von essentieller Bedeutung. - Bei höheren Dosierungen darf die Einnahme nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen! |
| Zink |
15-80 mg |
Zn trägt dazu bei, die Linse klar zu halten. Unter Umständen kann sich innerhalb von 6 Wochen eine Besserung einstellen.
Über Enzymsysteme des Vit.A-Stoffwechsels ist Zn direkt am Sehvorgang beteiligt (hell/dunkel). |
| Vitamin B2 |
1,5 mg |
B2 trägt dazu bei, die gelösten Linsenproteine in der Augenlinse und im Glaskörper zu stabilisieren; Riboflavin zählt zu den wichtigsten endogenen antioxidativen Schutzsystemen - ein hoher GSH/GSSG-Quotient ist von einem guten Riboflavinstatus abhängig; |
| Vitamin C |
500-3000 mg |
Vit.C und Glutathion schützen vor Oxidation von Linsenproteinen. Vit.C schützt vor reaktiven Sauerstoffverbindungen die durch Einwirkung von Sonnenlicht entstehen. |
| Vitamin E |
400-800 I.E. |
Die durch freie Radikale verursachten Schäden an der Augenlinse werden vermindert. |
| Docosahexaensäure |
200-350 mg |
Omega-3-Fettsäuren sind wichtige Bestandteile der Netzhaut. Sie sorgen für die Elastizität und Flüssigkeitsversorgung der Zellmembranen im Bereich der Retina. |
| Eicosapentaensäure |
650 mg |
|
| Anthocyan |
100-300 mg |
Pflanzliche Antioxidanzien sind in ihrer antioxidativen und zytoprotektiven Wirksamkeit den Vitaminen sogar überlegen. |
| Quercetin |
200-1000 mg |
|
| Folsäure |
2,5 mg |
Da ein direkter Zusammenhang zwischen dem Homocysteinspiegel und der altersbedingten Makuladegeneration besteht, kann die tägliche Supplementierung mit Folsäure, Pyridoxin und Cyanocobalamin das Risiko von AMD reduzieren. |
| Vitamin B6 |
50 mg |
|
| Vitamin B12 |
1 mg |
|
| Kupfer |
2 mg |
als Kupferoxid in Komb. mit Betacarotin, Vitamin C, Zink und Vitamin E nach AREDS; |
| L-Glutathion |
|
GSH schützt zusammen mit Vit.C und Riboflavin die Proteasen der Augenlinse vor der oxidativen Schädigung durch reaktive Sauerstoffspezies und freie Radikale. |
| Selen |
100-300 mcg |
Selen ist Cofaktor antioxidativ wirksamer Se-Proteine (Glutathionperoxidase). |
| Taurin |
500-2000 mg |
Taurin schützt mehrfach ungesättigte Fettsäuren in der Retina vor der Lipidperoxidation und neutralisiert Hypochlorit, das durch die in den Zellen des Pigmentepithels vorhandene Peroxidase gebildet wird. |
Quellen
Gröber, Uwe; Orthomolekulare Medizin, 2.Aufl., Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2002.
U.Pechanek, ÖAZ, 58, 16, 767, (2.8.2004).
Calvo MM., Lutein: a valuable ingredient of fruit and vegetables, Crit Rev Food Sci Nutr. 2005;45(7-8):671-96.
Zimmermann, Michael; et al.; Burgersteins Handbuch der Nährstoffe, Haug Verlag, Heidelberg, 2000.
Stur, M.; Makuladegeneration, Augen im Blick, Zentrale Fortbildungsveranstaltung der Österreichischen Apothekerkammer, 14.11.2009.
PharmXplorer Focus, Online Fortbildung der Seggauer Fortbildungstage 2004.
Tags: altersbedingte Makuladegeneration, AMD, Augenerkrankungen, grauer Star, Katarakt, Mikronährstoff, Orthomolekulare Medizin




