Lorcaserin (APD-356) – Zulassung bei der FDA zur Behandlung von Adipositas beantragt
Da wegen der Marktrücknahmen von Rimonabant und Sibutramin im Augenblick nur Orlistat zur Behandlung von Adipositas zur Verfügung steht, gilt LORCASERIN als Hoffnungsträger für eine Gewichtsreduktion bei Patienten mit einem BMI>30. Für Lorcaserin wurde von Arena Pharmaceuticals bei der FDA die Zulassung eingereicht.
Kurzinformation
Präparat NN®
Wirkstoffgruppe Antiadiaposita
Wirkmechanismus selektiver Agonist am 5-HT2C-Rezeptor
Indikation Adipositas
Nebenwirkungen vorübergehende Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, (es wurden KEINE Herzklappendefekte und KEINE Suizidgefahr festgestellt)
Lorcaserin
Lorcaserin ist ein 5-HT2C-Rezeptor-Agonist, der die Gewichtsabnahme fördert. Serotonin-2C-Rezeptoren kommen im Gehirn (Hypothalamus) in jenen Regionen vor, deren Stimulierung stark mit dem Essverhalten und der Sättigung assoziiert ist.
Es besteht eine große strukturelle Ähnlichkeit zwischen Lorcaserin und Fenfluramin (Ponderax®) bzw. Dexfenfluramin, die jedoch wegen unerwünschter Nebenwirkungen (Auftreten von pulmonaler Hypertonie bzw. wegen Schäden an den Herzklappen) vom Markt genommen wurden. Es besteht die Hoffnung, das Lorcaserin aufgrund seiner Selektivität für den 5-HT2C-Rezeptor nicht zu Herzklappenschäden bzw. pulmonaler Hypertonie führt, da als Ursache für diese Nebenwirkungen ein 5-HT2B-Agonismus angesehen wird. Für die halluzinogenen Effekte wird ein 5-HT2A-Agonismus verantwortlich gemacht.
Regulatoren der Nahrungsaufnahme
Anorexigene Neurotransmitter:
- Serotonin
- Cholezystokinin (CCK)
- Leptin
- α-Melanozyten-stimulierendes Hormon (α-MSH)
- über Drogen aktiviertes Protein (CART; cocaine amphetamine regulated transscript)
- Glucagon-Like-Peptide 1 (GLP-1)
Orexigene Neurotransmitter:
- Neuropeptid Y
- Agouti-Related-Peptide (AGRP)
- Melanin-Concentrating-Hormone (MCH)
- Orexin A und B
- Ghrelin
- β-Endorphin
- Dynorphin
- Anandamid
Serotoninrezeptor-Subtypen und Serotoninwirkungen
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Rezeptor |
Subtyp |
Wirkung |
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5-HT1 |
5-HT1A |
Angstreaktionen, Blutdrucksenkung, Regulation von Schlaf und Nahrungsaufnahme; |
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5-HT1B |
Hemmung der Noradrenalinfreisetzung, Verengung cranialer Blutgefäße, | |
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5-HT1D |
Konstriktion von Meningealgefäßen, motorische Aktivität, Verhaltenssteuerung, neurogene Entzündung, | |
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5-HT2 |
5-HT2A |
Neuronale Erregung, Kontraktion großer Gefäße, Endothelin-Freisetzung, Thrombozytenaggregation, |
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5-HT2B |
Vasodilatation von Meningealgefäßen infolge NO-Freisetzung; Zusammenhang mit Erkrankungen wie Migräne, Hypertonie, Herzklappenschäden, pulmonale Hypertonie; | |
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5-HT2C |
Regulierung des Ess- und Sexualverhaltens; | |
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5-HT3 |
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Verhaltenssteuerung, Angst, Übelkeit, Erbrechen, Schmerz; |
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5-HT4 |
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Motilitätszunahme im Kolon, Tachykardie, Dopaminfreisetzung; |
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5-HT5 |
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Möglicherweise circadiane Rhythmik; |
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5-HT6 |
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Möglicherweise Zusammenhang mit Lernvorgängen; |
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5-HT7 |
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Regulation des Tag-Nacht-Rhythmus und der Körpertemperatur, Blutdrucksenkung, |
Arzneimittel im Einsatz gegen Adipositas
Vom Markt genommene Mittel gegen Adipositas
- Fenfluramin (Ponderax®) – Grund: Auftreten von pulmonaler Hypertonie; Schäden an den Herzklappen;
- Sibutramin (Reductil®) - Grund: erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzstilltand
- Rimonabant (Acomplia®) – Grund: psychische Nebenwirkungen
Im Stadium der Phase III-Studien
- Phentermin + Topiramat: Qnexa®
- Bupropion + Naltrexon: Contrave®
Adipositas
Als Adipositas bezeichnet man eine über das normale Maß hinausgehende Vermehrung des Körperfettes.
Wenn das tatsächliche Körpergewicht das Normgewicht um 20-25% überschreitet, spricht man von Adipositas.
Ursache ist neben der genetischen Veranlagung und endokrinen Ursachen (z.B. Hypothyreose) meist ein Ungleichgewicht zwischen Energiezufuhr und Energieverbrauch bei zu geringer körperlicher Aktivität und fettreicher Ernährung.
In den westlichen Industrieländern sind ca. 20% der Männer und rund 40% der Frauen davon betroffen.
Die Einteilung erfolgt nach dem Körpermassenindex:
BMI= Body Mass Index= Gewicht in kg/Körpergröße (m2 )
| Gewichtsklassifikation | BMI (kg/m2 ) |
| Normalgewicht | 18,5-24,9 |
| Übergewicht | 25,0-29,9 |
| Adipositas Grad I | 30,0-34,9 |
| Adipositas Grad II | 35,0-39,9 |
| Adipositas Grad III | >40,0 |
Symptome, die durch das erhöhte Körpergewicht bedingt sind:
- Gelenkbeschwerden
- Belastungsdyspnoe
- verstärktes Schwitzen
- Hypoventilisation (bei extremer Adipositas)
- erhöhte Schlafneigung (bei extremer Adipositas)
Erhöhtes Risiko für:
- Hypertonie
- Hyperlipidämie
- Cholelithiasis
- Typ-2-Diabetes mellitus
- kardiovaskuläre Erkrankungen
Quellen
Schubert-Zsilavecz, M; Neue Arzneimittel 2010, Brennpunktseminar, Graz, 11.05.2010.
Mutschler, E. et al., Arzneimittelwirkungen, 8., völlig neu bearb. u. erweit. Aufl., wiss. Verl. Ges. mbH, Stuttgart, 2001.
Podingbauer A, Ekmekcioglu C, Nahrungsaufnahm: Physiologisch Mechanismen und klinisch Relevanz, Journal für Ernährungsmedizin, 7(1), 22-29,2005. (http://www.kup.at/kup/pdf/5111.pdf)
Görtzen, A; Veh R.V.; Adipositas – Eine Einführung in molekulare Mechanismen, Deutsches Ärzteblatt, Jg. 104, Heft 17, 27. April 2007.
Bays, HE; Lorcaserin and adiposopathy: 5-HT2c agonism as a treatment for ‘sick fat’ and metabolic disease, Expert Rev Cardiovasc Ther. 2009 Nov;7(11):1429-45.
http://office.pharmxplorer.at/sec/apo/px/hwshowdoc.php?goid=0000001083
http://www.arenapharm.com/wt/page/lho.html
Tags: Adipositas, BMI, Gewichtsreduktion, GLP-1, Serotonin-Rezeptor, über, Übergewicht





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