Baldrianwurzel (Valeriana officinalis) - bei Einschlafstörungen und nervösen Befindlichkeitsstörungen
Der Baldrian ist eine große, aufrechte bis eineinhalbmeterhohe Pflanze mit gegenständigen, fiederschnittigen Blättern. Sowohl Monopräparate mit Baldrianextrakt als auch Kombinationen mit Extrakten aus Hopfenzapfen, Melissenblatt oder Passionsblumenkraut zeigen gute Wirksamkeit bei leichten bis mittelschweren Einschlaf- wie auch Durchschlafstörungen. Einen ausreichenden beruhigenden Einfluss hat der Baldrian jedoch nur bei höherer Dosierung.
Pharmakologische Wirkungen von Valeriana officinalis laut Monographie der Kommission E:
- Unruhezustände
- Nervös bedingte Einschlafstörungen
Weitere Anwendungen
- Nervöse Befindlichkeitsstörungen
- Nervosität und Schlaflosigkeit
- Begleitend bei Gastritis, nervösem Reizmagen, Magenkrämpfen
- Begleitend bei Reizblase
- Begleitend bei Enuresis nocturna
Wirkung
- Die beruhigende und schlaffördernde Wirkung der Droge entsteht vermutlich durch ein Zusammenwirken der verschiedenen Inhaltsstoffgruppen und nicht durch eine Einzelsubstanz
- Konzentrations- und leistungsfördernd
- Spasmolytisch
- Muskelrelaxierend
- Abnahme der zentralen Hyperreaktivität erfolgt dosisabhängig durch den Extrakt der Wurzel
- Verkürzung der Einschlafzeit, Verbesserung der Schlafqualität mit Verminderung des nächtlichen Aufwachens
- Verbesserung der Tagesbefindlichkeit
Wirkmechanismus
Die schwer flüchtige Valerensäure (Sesquiterpensäure) inhibiert den Abbau des Neurotransmitters GABA (Gamma-Aminobuttersäure). Der Extrakt fördert die Ausschüttung und verhindert die Wiederaufnahme des Neurotransmitters in die Nervenendigungen.
Die zur Stoffklasse der Iridoide gehörigen Valepotriate wirken in Abhängigkeit von der Molekülstruktur tranquilisierend (eine Doppelbindung im Molekül) bzw. spannungslösend (zwei Doppelbindungen). Es kommt zu einer Verbesserung der Koordinationsfähigkeit und zu einer Verminderung von Unruhe, Angst und Aggressivität.
Inhaltsstoffe
- Ätherisches Öl
- Iridoide (Valepotriate) - tranquilisierend, thymoleptisch (spannungslösend)
- Lignane
- Sesquiterpene (Valerensäure)
Dosierung
Innerlich: mittlere Tagesdosis: Droge 6-9 g;
Extrakt: nach Ergebnissen klinischer Studien 500-600 mg lipophiler Extrakt;
900-1300 mg Trockenextrakt (3-7,4 : 1, Ethanol oder Methanol verschiedener Konzentrationen);
>3 ml Fluidextrakt (1 : 1, Ethanol-Wasser);
Valepotriate: 150-200 mg Valepotriatgemisch.
Die in der Literatur empfohlene Dosierung der Tinktur (Baldriantropfen) von 1,5-3 g erscheint deutlich zu niedrig, da in der Tinktur die Inhaltsstoffe der Ausgangsdroge im Verhältnis von ca. 1 : 5 verdünnt vorliegen.
Äußerlich: 100 g Droge für 1 Vollbad. Berechnungsgrundlagen: 7,5 g Droge, 600 mg Extrakt, 150 mg Valepotriate.
Unerwünschte Wirkungen / Toxizität
Keine bekannt.
Unter Therapie mit einem Hopfen-Baldrian-Kombinationspräparat konnte keine Beeinträchtigung bei Aufmerksamkeits- und Reaktionstests festgestellt werden. Unbestritten ist, dass die Valepotriate aufgrund ihrer Epoxidstruktur alkylierende Eigenschaften aufweisen. Eine kanzerogene Potenz ist aber bei peroraler Anwendung kaum zu erwarten. Da sich Valepotriate in flüssigen Medien rasch abbauen, wird auch angeraten, ein bis zwei Monate alte Baldriantinkturen valepotriatreichen Präparaten vorzuziehen.
Quellen
Schilcher, Heinz, et al., Leitfaden Phytotherapie, 2.Aufl., Urban&Fischer, München, Jena, 2003.
Bucar, F.; Kritische Beurteilung von aktuellen Phytopharmaka und pflanzlichen OTC-Produkten, Vorlesung, SS 2010.
http://office.pharmxplorer.at/sec/apo/modules/index.php?controller=Herbs;action=show;id=15
Tags: Gastritis, Nervosität, Phytotherapie, Reizblase, Schlafstörungen



