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Folsäure - bei psychischen und neurologischen Störungen, sowie bei Homocysteinämie

folsaureFolsäure gehört zur Gruppe der B-Vitamine und findet in der orthomolekularen Medizin Anwendung bei Anämien, Bluthochdruck, Darmerkrankungen, Demenz, Diabetes mellitus, Psoriasis, in der Schwangerschaft und bei vielen weiteren Erkrankungen. Obwohl Folsäure von den Darmbakterien im Colon synthetisiert wird, können Folsäure-Hypovitaminosen durch Mangelernährung hervorgerufen werden.

Auf Grund der schlechten Versorgungslage mit Folsäure in den westlichen Industrienationen und um Schwangerschaftskomplikationen und KHK vorzubeugen, werden seit Jänner 1998 in den USA Grundnahrungsmittel (Cornflakes) und seit August 1998 auch in Ungarn (Brot) mit Folsäure angereichert.

Eine Supplementierung wird in den anderen Ländern bis jetzt nur deshalb nicht vorgenommen, weil bestimmte Symptome des Vitamin B 12-Mangels verdeckt werden können.

Vorkommen

Die Folsäure kommt in fast allen tierischen und pflanzlichen Nahrungsmitteln vor: Weizenkeime (330-700µg/100g), Spinat (145µg/100g), Eigelb (160µg/100g), Sojabohne (95µg/100g), Rinderleber (108µg/100g), Broccoli (111µg/100g), Chinakohl (85µg/100g), Fenchel (100µg/100g), rote Rübe (75µg/100g).

Auch die Darmbakterien (Darmflora) im menschlichen Körper sind in der Lage Folsäure zu produzieren. [Da jedoch trotzdem durch Mangelernährung häufig Hypovitaminosen auftreten, nimmt man an, dass die von den Darmbakterien gebildete Folsäure aus dem Colon nur schlecht aufgenommen werden kann.]

Durch Oxidationsprozesse während der Lagerung der Lebensmittel und durch Inaktivierung während des Kochvorganges gehen große Anteile der Folsäure verloren. Außerdem beträgt die Bioverfügbarkeit aus der Nahrung nur 50%, im Gegensatz zu der 100%-prozentigen Verfügbarkeit bei Supplementierung.

Bedarf

Maximal:1000 μg*

Kinder bis 0.5 Jahre: 60 μg

Kinder von 0.5 bis 1 Jahr: 80 μg

Kinder von 1 bis 4 Jahren: 200 μg

Kinder von 4 bis 10 Jahren: 300 μg

Kinder älter als 10 Jahre: 400 μg

Erwachsene: 400 μg

Schwangerschaft: 600 μg**

Stillzeit: 600 μg

*UL: Tolerable Upper Intake Level;

**bei belastender Anamnese wird die Gabe von 4mg/d mindestens 6WO vor bis 6-8WO nach Beginn der Schwangerschaft unbedingt empfohlen;

1mcg Nahrungsfolat = 1mcg Folat-Äquivalent = 0,5mcg synthetische Folsäure (Pteroylglutaminsäure)

Wirkung

Folsäure wird im Organismus unter Beteiligung von Vitamin C und Vitamin B12 zu Tetrahydrofolsäure (THF) reduziert, die als wichtige Überträgersubstanz für Hydroxymethyl-, Formyl-, Methyl-, und Formiatgruppen, also von C-1-Fragmenten dient.

  • Folsäure nimmt eine wichtige Funktion im Aminosäure- und Nukleotidstoffwechsel ein.
  • Sie spielt gemeinsam mit Vitamin B12 und Vitamin B6 eine Rolle bei der Methylierung von Homocystein zu Methionin. Damit kann der Homocysteinspiegel im Blut gesenkt und einem Bluthochdruck vorgebeugt werden. (Homocystein wirkt zytotoxisch und gefäßpathogen und stellt ein zusätzliches Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen dar).

homocysteinstoffwechsel1

  • Folsäure ist gemeinsam mit Vitamin B12 essentiell für Biosynthese von Purinen und Pyrimidinen, die DNA- und RNA-Synthese und damit für alle Zellteilungs- und Wachstumsvorgänge.
  • Die Methylierung von dUMP (Desoxyuridin-Monophosphat) zu dTMP (Thymidilat) ist folsäureabhängig und stellt den limitierenden Schritt der DNA-Synthese dar. Da die blutbildenden Zellen des Knochenmarks eine hohe Zellteilungsrate besitzen, ist eine ausreichende Versorgung mit Folsäure besonders wichtig.
  • Folsäure ist beteiligt an der Umwandlung von Serin in Glycin und am Histidinstoffwechsel.
  • Nach der „Folic Acid and Carotid Intima-Media Thicknes” (FACIT)-Studie stellte sich heraus, dass sich kognitive Funktionen wie das Gedächtnis und die Informationsverarbeitung bei Erwachsenen durch die Einnahme von Folsäure verbessern.

In der Schwangerschaft ist eine ausreichende Versorgung der Mutter mit Folsäure von zentraler Bedeutung, um Spontanaborten, fetalen Anomalien, Gestosen und fetalen Wachstumsretardierungen vorzubeugen. Speziell Frauen die vor der Schwangerschaft orale Kontrazeptiva einnahmen, weisen niedrige Folsäurespiegel auf und sollten während des ersten Drittels der Schwangerschaft Folsäure in Form von Supplementen aufnehmen. Durch eine adäquate Folsäureversorgung kann auch ein erhöhter Homocysteinspiegel normalisiert werden, der zu einem gesteigerten Risiko für Frühgeburten und Fehlbildungen führt.

Mangel

Ein Mangel an Folsäure kann zu Schwangerschaftskomplikationen (Früh- und Fehlgeburten, Neuralrohrdefekte), Störung der Blutbildung, Schleimhautirritationen, erhöhtem Blutdruck, erhöhtem Risiko für Kolonkarzinome, Dermatitis, Haarausfall, Blässe, Schwäche, Vergesslichkeit, depressiver Verstimmung und Reizbarkeit führen;

Ursachen für einen Mangel können sein: Alkoholismus, Arzneimittel, Alter, Eisenmangel, Erkrankungen (AIDS, Diabetes, hämolytische Anämien, akute Leukämien, Sichelzellenanämien, Krebs, Hyperthyreose, Lebererkrankungen, Hämodialyse, Rheuma, Malaria), Frühgeburten, Schwangerschaft, Stillzeit, Mangel- und Fehlernährung, Malabsorption, Zinkmangel (Cofaktor der Folsäuredekonjugase), Vitamin-C- und Vitamin-B12-Mangel;

Unerwünschte Wirkungen / Toxizität

Die Einnahme von Folsäurepräparaten in der späten Schwangerschaft erhöht möglicherweise das Brustkrebsrisiko. - Eine Gruppe australischer und britischer Forscher kam 2004 nach einer Langzeitstudie zu dem Ergebnis, dass die Einnahme von Folsäurepräparaten in der späten Schwangerschaft das Brustkrebsrisiko um 50% erhöht. Das dürfte auch der Grund sein, warum einige Gynäkologen neuerdings vorsichtiger dosieren. Da der Zusammenhang jedoch erst in weiteren Studien untersucht werden muss, sollten die Empfehlungen zur Folsäuregabe nicht geändert werden, bevor die entsprechenden Ergebnisse vorliegen.

Folat-Zufuhr kann bei unbekanntem Vitamin B12-Mangel zu irreversiblen neurologischen Störungen führen.

Interaktionen

RESORPTIONSSTÖRUNG: Antiepileptika (Phenytoin, Primidon, Barbiturate, Carbamazepin, Valproinsäure) Acetylsalicylsäure, Diuretika, Furosemid, Kontrazeptiva, Metformin, Pankreatin, Sulfalalazin

FOLSÄUREANTAGONISTEN ( -> Folsäure-Status sinkt; Störung der Hämatopoese; Homocystein-Spiegel steigt): Aminopterin, Cotrimoxazol, MTX, Pentamidin, Proguanil, Pyrimethamin, Triamteren, Trimethoprim, Tetroxoprim 2

Genaue Informationen zu den Interaktionen finden Sie auf PXP-Office/Beratung/Mikronährstoffe

Indikationen

Folsäure spielt eine Rolle bei Anämien, Bluthochdruck, Darmerkrankungen, Demenz, Diabetes mellitus, Gicht, Gingivitis, Psoriasis, Konzentrationsschwäche, Krebs, Makuladegeneration, multipler Sklerose, Osteoporose, Parkinsonismus, Pigmentstörungen, rheumatischen Erkrankungen, Hyperthyreose, in der Schwangerschaft und bei Tinnitus.

Genaue Informationen zu den Anwendungen von Folsäure finden Sie  auf PXP-Office/Beratung/Mikronährstoffe

Literatur

Gröber, Uwe; Orthomolekulare Medizin, 2.Aufl., Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2002.

DAZ 04/38, Quelle: Van Meurs, J.V.J., et al.; Homocystein Levels and fhe Risk auf Osteoporotic Fracture., N. Engl. J. Med. 350,2033-2041 (2004) (http://www.deutscher-apotheker-verlag.de/DAZ/)

Nelson, David; Cox, Michael; Lehninger Biochemie, 3., vollständ. überarb. u. erweit. Aufl., Springer, Berlin, u.a., 922-923, 2002.

Durga J., et al., Lancet 2007; 369: 208-16 (MMA, Medical Tribune, 39.Jg., Nr.7) (elearning@medizin-medien.at).

DAZ 04/51 (16-12-2004) Schwangerschaft: Folsäuregaben sollen Brustkrebs begünstigen, Quelle: BMJ 329, 1375-1376 (2004). (http://www.deutscher-apotheker-verlag.de/DAZ/).

Gröber, Uwe; Arzneimittel und Mikronährstoffe, Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2007.

Gröber, Uwe; Arzneimittel und Mikronährstoffe, Potenzielle Interaktionen mit klinischer Relevanz , DAZ 05/14, S. 44, 2005. (http://www.deutscher-apotheker-verlag.de/DAZ/).

Christen WG, Glynn RJ, Chew EY, Albert CM, Manson JE; Folic acid, pyridoxine, and cyanocobalamin combination treatment and age-related macular degeneration in women: the Women’s Antioxidant and Folic Acid Cardiovascular Study, Arch Intern Med. 2009 Feb 23;169(4):335-41.

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