Orthomolekulare Medizin – Chronische Schmerzen
Die gezielte Gabe von Mikronährstoffen, speziell der Eicosapentaensäure (EPA) und Vitamin E, beeinflusst das Schmerzgeschehen (im Rahmen von rheumatischen und neurologischen Erkrankungen) positiv und ermöglicht in der Folge eine Reduktion der Dosierung von NSRAs (nicht steroidalen Antirheumatika).
Schmerz
Grundsätzlich dient der Schmerz dem Körper als ein Warnsignal, das anzeigt, wenn etwas nicht stimmt oder dass bestimmte Tätigkeiten, die dem Körper schaden, unterlassen werden sollten. Bei chronischen Schmerzen handelt es sich jedoch meist um ein quälendes Symptom, das viele Krankheiten begleitet und keinem informativen Zweck dient. Starke chronische Schmerzen können die Lebensqualität mindern, Depressionen auslösen und sich negativ auf das Immunsystem auswirken.
Ernährungsempfehlung
Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten führen manchmal zu chronischen, wiederkehrenden Schmerzen in Muskeln, Gelenken, Zähnen und im Unterleib, aber auch Entzündungen in den peripheren Nerven können dadurch ausgelöst werden. Durch Einschränkung von gesättigten Fetten tierischen Ursprungs und Bevorzugen von Pflanzenölen, die reich an essentiellen Fettsäuren sind (z.B. Leinsamen- oder Walnussöl), können Entzündungen gemildert und chronische Schmerzen verringert werden.
Besondere Hinweise
- Entzündungshemmende Schmerzmittel können zu Unverträglichkeiten und Blutungen im Magen-Darm-Trakt führen und sollten daher über längere Zeit nur unter regelmäßiger ärztlicher Kontrolle eingenommen werden. – Zahlreiche Studien belegen, dass die Menge von entzündungshemmenden Schmerzmitteln durch die regelmäßige Zufuhr von Omega-3-Fettsäuren deutlich gesenkt werden kann.
- Regelmäßige Ausübung von Sport (in moderater Form) verbessert die körpereigene Ausschüttung von schmerzstillenden Substanzen und führt durch die Stärkung der Muskeln vor allem bei Schmerzen, die im Zusammenhang mit dem Knochengerüst und den Gelenken auftreten, zu einer Verbesserung der Situation.
- Entspannungsübungen oder Biofeedback-Training können helfen, die Anspannung in den Muskeln abzubauen und die chronischen Schmerzen zu verringern.
Anwendungsmöglichkeiten von Mikronährstoffen
Omega-3-Fettsäuren, speziell die Eicosapentaensäure (EPA), hemmen aufgrund ihrer strukturellen Ähnlichkeit mit Arachidonsäure kompetitiv die Bildung entzündungsfördernder Eicosanoide, indem sie Arachidonsäure von den eicosanoidbildenden Enzymen verdrängen. Sie verbessern die Symptomatik geschwollener und schmerzhafter Gelenke, die Griffstärke und Morgensteifigkeit.
Vitamin E inaktiviert als lipidlösliches Antioxidans die bei rheumatischen Entzündungen gebildeten Sauerstoffradikale und beugt der Entwicklung von Magenschleimhautschäden durch NSARs vor. Durch Vitamin E werden verschiedene Enzyme des Arachidonsäure-Stoffwechsels, wie die Phospholipase A2, die 5-Lipoxygenase und die Cycloxygenase gehemmt, was zu einer verminderten Produktion von Entzündungsmediatoren führt. Durch die Hemmung der Proteinkinase C kommt es zu einer Verminderung der Profliferation des Bindegewebes, die bei entzündlichen Vorgängen meist auftritt.
Als Cofaktoren antioxidativ wirksamer Enzyme (Glutathionperoxidase, SOD) können Selen, Zink und Kupfer das Entzündungsgeschehen positiv beeinflussen.
Phenylalanin verlangsamt den enzymatischen Abbau der Enkephaline und entfaltet möglicherweise über diesen Weg eine positive Wirkung auf das Schmerzgeschehen.
Die orale Gabe des Thiamin-Prodrugs Benfotiamin (Vitamin B1) verbessert bei Neuropathien die Schmerzsymptomatik, die Nervenleitgeschwindigkeit und das Vibrationsempfinden. Die Schmerzstillenden Effekte entstehen vermutlich durch die Bildung körpereigener schmerzhemmender Neurotransmitter wie GABA und Serotonin.
Hohe Dosen von Vitamin B6 zeigen speziell bei peripheren Nervenentzündungen, Parästhesien und beim Karpaltunnelsyndrom gute Erfolge.
D-Glucosaminsulfat stimuliert anabole Prozesse im Knorpel und verbessert die Synoviaviskosität. Gleichzeitig wird die Synthese proinflammatorischer Mediatoren gebremst. Entzündliche Prozesse im Knorpel werden unabhängig von der Cyclooxygenase gehemmt. Die Wirkung setzt im Gegensatz zu den NSARs eher langsam ein, hält aber länger an.
Nährstoffempfehlungen bei chronischen Schmerzen
| Nährstoff | Empfohlene Tagesdosis | Kommentare |
| Omega-3-FS |
1 – 2 g |
Omega-3-Fettsäuren besitzen entzündungshemmende und schmerzstillende Eigenschaften. |
| Vitamin E |
800 mg |
Vitamin E und Selen sind besonders wirksam bei chronischen Muskelschmerzen und Muskelsteife. |
| Selen |
200 mcg |
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| Vitamin B1 |
200 mg |
Vit.B1 hat eine wichtige Funktion bei der Reizleitung und Reizübertragung von Nervenimpulsen und kann Schmerzen lindern, insbesondere bei chronischen Kopf- und Knochenschmerzen, sowie bei Nervenschmerzen. |
| Vitamin B6 |
50 – 100 mg |
Vit.B6 und Tryptophan verstärken im Körper die Ausschüttung eines Botenstoffes, der die Schmerzempfindung dämpft. |
| L-Tryptophan |
1,5 – 3 g |
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| Vitamin B12 |
1 – 5 mg/Woche (als intramuskuläre Injektion) |
Vit.B12 ist beteiligt an der Bildung der Markscheiden von Nervenzellen und besitzt bedeutende schmerzlindernde Eigenschaften. Es ist bei der Verminderung von Schmerzen in der Wirbelsäule und bei krebsbedingten Schmerzen wirksam. |
| Vitamin C |
3 – 5 g |
Vitamin C vermindert Schmerzen bei Knochen-krankheiten, Rückenschmerzen, Krebs und Zahnleiden. |
| Magnesium |
300 – 450 mg |
Magnesium besitzt entspannende Wirkung. |
| D,L-Phenylalanin |
1,5 – 3 g |
Phenylalanin regt die körpereigene Schmerzlinderung an, die im Gehirn gesteuert wird. |
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Zusatzempfehlungen |
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| Hagebutte |
5 g über 3 Monate; anfangs: 10 g |
Hagebuttenpulver sollte NICHT in Wasser oder Tee gelöst, sondern in Yoghurt, Fruchtmus oder in Speisen eingerührt werden. Es wirkt gut schmerzstillend. |
| Teufelskralle |
800 – 2400 mg (Trockenextrakt); entsprechend 50 – 100mg (Harpagosid) |
Die Inhaltsstoffe der Teufelskrallenwurzel besitzen deutlich entzündungshemmende Eigenschaften. – Es kann jedoch aufgrund der Bitterstoffe zu Magen-Darm-Beschwerden kommen. (Ganz selten treten auch Allergien auf). |
| Condroitinsulfat |
800 mg über 3 Monate |
Condroitinsulfat und Glucosamin wirken schmerz-stillend und funktionsverbessernd. |
| Glucosamin |
1500 mg Glucosaminhemisulfat |
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| Hyaluronsäure |
20 – 25mg Na-hyaluronat /Woche |
Hyaluronsäure wird lokal als Injektion gegeben. |
Weiters werden Gelatine, Brennessel, Weide, Krallendorn, Ingwer (Gefahr der Magenblutung – daher nur bei einmaligen Schmerzereignissen), Arnikatinktur, Beinwellkraut (unbedingt pyrrolizidinfreie Präparate verwenden!), Pfefferminzöl, schwarze Johannisbeere, Weihrauch und Pfeffer zur Schmerzbekämpfung eingesetzt. Hierbei fehlen aber wissenschaftliche Studien und daher sollten diese Mittel kritisch betrachtet werden.
Quellen
Gröber, Uwe; Orthomolekulare Medizin, 2.Aufl., Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2002.
Zimmermann, Michael; et al.; Burgersteins Handbuch der Nährstoffe, Haug Verlag, Heidelberg, 2000.
Biesalski, Hans Konrad; et al.; Ernährungsmedizin, 3., erweit. Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart, u.a., 2004.
Schlieper Cornelia A., Grundfragen der Ernährung, 17., aktual. Aufl., Verl. Dr. Felix Büchner, Hamburg, 2004.
Maroon JC; Bost JW; Omega-3 fatty acids (fish oil) as an anti-inflammatory: an alternative to nonsteroidal anti-inflammatory drugs for discogenic pain, Surg Neurol. 2006 Apr;65(4):326-31. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?DB=pubmed).
Bazan NG; Cell survival matters: docosahexaenoic acid signaling, neuroprotection and photoreceptors, Trends Neurosci. 2006 May;29(5):263-71. Epub 2006 Apr 3. (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/entrez/query.fcgi?DB=pubmed).
Niestroj, I.; Praxis der Orthomolekularen Medizin, 2. durchges. Aufl., Hippokrates Verl., Stuttgart, 1999, 2000.
Häntzschel, H.; Kausch, Th.; Marx, U.; Arthrose, Langzeiteffekte mit D-Glucosaminsulfat, DAZ 05/33, (18-08-2005). (www.deutscher-apotheker-verlag.de/cgi-bin/daz/show.cgi?show=/intern/daz/05/…(13.08.2008).)
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In den letzten Jahren wurde von unserem „Institut für Neuropatischen Schmerz“ in Bosch en Duin, Niederlande, ein neuer interdisziplinärer Ansatz zur Bekämpfung von Schmerzen entwickelt, die durch eine Schädigung des peripheren und/oder zentralen Nervensystems entstehen und als neuropathische Schmerzen bezeichnet werden.
Neu und in Deutschland noch völlig unbekannt ist das orthomolekulaire Supplement Normast. Der Einsatz eines Wirkstoffs, der auch im menschlichen Körper zur Schmerzlinderung hergestellt wird und zudem entzündungshemmend wirkt. Dieser Wirkstoff heißt „Palmitoylethanolamid (PEA)“ und wurde auf der Grundlage von Forschungsarbeiten der italienischen Nobelpreisträgerin Rita Levi-Montalcini entwickelt, die heute 102 Jahre alt und bei guter Gesundheit ist.
Unter ihrer Anleitung wird PEA in Italien von der Firma „Epitech“ in Pulver- und Tablettenform hergestellt und ist dort und in einigen anderen europäischen Ländern unter dem Markennamen „Normast“ als Diätnahrungsmittel für den medizinischen Gebrauch zugelassen. Tausende Patienten mit starken Schmerzen sind inzwischen mit diesem Mittel behandelt worden; – sehr oft mit guten bis beeindruckenden Resultaten.
Normast wirkt schmerzlindernd bei ernsthaften Rücken- und Bandscheibenschmerzen, Gürtelrose-Schmerz, Schmerzen durch Abklemmen von Nerven, beim Karpaltunnelsyndrom, bei Diabetes sowie bei chronischen Kieferschmerzen – um nur einige schwerbehandelbare Schmerzarten zu nennen. Die Wirksamkeit von Normast ist auch mitzahlreichen Labor- und Patientenstudien nachgewiesen (siehe Referenzen in unsere website).
Super interessanter Artikel! Sehr informativ und toll geschrieben.
Ich habe einmal gelesen, dass Studien bewiesen haben, dass Ingwer und Kartoffeln Muskelschmerzen lindern. Ingwer roh oder gekocht verzehren und aus den Kartoffeln einfach Kartoffelwickel machen. Allerdings bin ich mir bei den Kartoffelwickeln nicht sicher, ob es einfach nur die Wärme ist, die hilft. Denn Wärme ist ja ein altbekanntes Hausmittel gegen jede mögliche Art von Schmerzen.