Orthomolekulare Medizin – Schilddrüsenunterfunktion

Unter einer Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) versteht man eine ungenügende Bildung oder Freisetzung der Schilddrüsenhormone Thyroxin und Trijodthyronin. In seltenen Fällen kann es auch zu einer ungenügenden Wirkung der Schilddrüsenhormone kommen. Die Schilddrüse versucht den zu niedrigen Spiegel an Schilddrüsenhormonen auszugleichen, indem sie sich vergrößert, was zu einer Schwellung des Halses, dem so genannten Kropf, führt. Für die Bildung der Schilddrüsenhormone werden etwa 80% des täglich aufgenommenen Jods verbraucht.

Als Ursache für eine Hypothyreose können angenommen werden:

  • Mangelhafte Entwicklung der Schilddrüse – angeborene Hypothyreose –  (durch eine Schilddrüsenunterfunktion der Schwangeren oder Defekte in der Hormonbildung) – diese führt unbehandelt zu schwerwiegenden geistigen und körperlichen Entwicklungsstörungen sowie zum Kretinismus;
  • Chronische Schilddrüsenentzündung – erworbene Hypothyreose – der Körper bildet Antikörper, die das eigene Schilddrüsengewebe zerstören; in der Folge können nicht mehr ausreichende Mengen an Schilddrüsenhormonen gebildet werden;
  • Eine Behandlung gegen Hyperthyreose
  • Schilddrüsenoperation
  • Mangelnde Bildung der Schilddrüsensteuerungshormone in der Hypophyse oder im Hypothalamus (z.B. durch Tumore verursacht) – hier spricht man von einer sekundären Hypothyreose, bei der die Funktion der Schilddrüse intakt ist.
  • Eine Trägheit der Schilddrüse kann auch von schlechter Ernährung (zu wenig Selen, Eisen, Jod, Vitamin A und verschiedene B-Vitamine), Drogenmissbrauch, Alkoholmissbrauch oder Empfindlichkeiten gegen Nahrungsmittel herrühren. Die Unterfunktion kann auch auf Stoffe in bestimmten Nahrungsmitteln zurückzuführen sein, die die Schilddrüse „blockieren“.

Ernährungsempfehlung

Bestimmte Nahrungsmittel können, wenn sie roh und in großen Mengen gegessen werden, die Bildung von Schilddrüsenhormonen blockieren. Dazu gehören Kohl, Sojabohnen, Erdnüsse, Pinienkerne und Hirse (sie enthalten Progoitrin und Rhodanide). Menschen mit einer Schilddrüsenunterfunktion sollten diese Nahrungsmittel, wenn überhaupt, nur im gekochten Zustand essen, da beim Kochen diese Stoffe zerstört werden. Auch hoher Kaffee- und Teekonsum, sowie Tabakrauchen können zu Verwertungsstörungen des Jods führen.

Jod ist ein unerlässlicher Baustein des Schilddrüsenhormons. Meeresfrüchte, wie Muscheln, Austern, Hummer, Sardinen, Süßwasserfische, Seetang und Meersalz sind die Nahrungsmittel, die am meisten natürliches Jod enthalten.

Jodbedarf

Die D-A-CH-Referenzwerte empfehlen für Jugendliche und Erwachsene eine tägliche Jodaufnahme von 180-200µg, in der Schwangerschaft und Stillzeit sollten 230-260µg Jod pro Tag zugeführt werden. Die durchschnittliche Jodaufnahme in unseren Breiten liegt jedoch nur bei 100µg pro Tag. Da eine ausreichende Zufuhr mit der Nahrung und über das Trinkwasser nicht möglich ist, sollte zu Vorbeugung eines Jodmangels generell jodiertes Speisesalz verwendet werden.

Jodgehalt ausgewählter Nahrungsmittel

Nahrungsmittel Jodgehalt (µg/100g) Nahrungsmittel Jodgehalt (µg/100g)
Steinbutt 500 Fisch gegart 156
Schellfisch 243 Rotbarsch 90
Kabeljau 170 Hartkäse 52
Fischstäbchen 160 Thunfisch 50

Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion

  • Kropf
  • Schlafstörungen
  • Antriebslosigkeit
  • Verstopfung
  • Gewichtszunahme
  • Spröde Haare und Nägel
  • Müdigkeit
  • Trockene, rauhe Haut
  • Kälteempfindlichkeit
  • Erhöhte Cholesterin- und Blutfettwerte
  • Hörstörungen
  • Depression und Erschöpfung

Anwendungsmöglichkeiten von Mikronährstoffen

Das über die Nahrung aufgenommene Jodid wird in den Thyreozyten durch das Enzym Thyreoperoxidase zu Jod oxidiert und anschließend in Tyrosinreste eingebaut. Die Schilddrüse produziert vor allem das schwach wirksame Thyroxin (T4), das in den Zellen vieler Gewebe durch das Selen-abhängige Enzym Typ-I-Thyroxin-5’-Dejodase in das drei- bis fünfmal wirksamere Trijodthyronin (T3) umgewandelt wird. Trijodthyronin dagegen wird nur in geringen Mengen von der Schilddrüse gebildet und sezerniert. Gesteuert wird die Biosynthese der Schilddrüsenhormone durch das thyreotrope Hormon (TSH). Schilddrüsenhormone hemmen die TSH-Sekretion durch negative Rückkopplung (steigt die Schilddrüsenkonzentration im Serum an, wird die TSH-Sekretion reduziert und umgekehrt).

Bei einer Schilddrüsenunterfunktion kommt es häufig zu einem Mangel an Vitamin A, da die Umwandlung von Carotinoiden in die aktive Form behindert wird und zu einem Mangel an Vitamin B2, da die Schilddrüsenhormone T3 und T4 die Umwandlung von Riboflavin in seine coenzymatisch aktiven Formen steigern.

Die Zufuhr von Zink wird bei einer subklinischen Hypothyreose empfohlen, da bei einer Schilddrüsenunterfunktion auf Grund der erniedrigten Zinkspiegel ein erhöhter Metabolismus von Zink angenommen wird.

Anwendungsmöglichkeiten von Mikronährstoffen in der orthomolekularen Medizin sind auf PharmXplorer-Office ausführlich verfügbar

Nährstoffempfehlungen bei Hypothyreose

Nährstoff

Empfohlene Tagesdosis Kommentare
Jod

180 – 200 mcg

In Form von Salz und jodhaltiger Nahrung

Jod ist ein wesentlicher Baustein des Schilddrüsenhormons; Jodmangel führt zu Hypothyreose;
Selen

200 mcg

Se ist notwendig für die Umwandlung von T4 in Trijodthyronin. Ein Mangel führt zu Hypothyreose.
Vitamin A

10 000 I.E.

In Form von Retinol (vorgeformtes Vit.A) und nicht in Form von Betacarotin)

Hohe Dosen dürfen nur unter ärztlicher Kontrolle angewandt werden;

Vit.A ist wichtig bei der Bildung des Schilddrüsenhormons. Hypothyreose untergräbt die Umwandlung von Carotinoiden in Vit.A, wodurch der Vit.A-Status sinkt.

Vitamin B2

5 mg

Vit.B2 wird bei der Bildung der Schilddrüsenhormone benötigt (Riboflavin regeneriert die oxidierte Jod-Thyronindejodase, die die Abspaltung von Jod aus T4 und die Umwandlung in das biologisch aktivere T3 katalysiert); – andererseits wirken Thyroxin und Trijodthyronin stimulierend auf die Biosynthese von FMN und FAD;
Vitamin B3

5 mg

Vit.B3 und Vit.B6 werden bei der Bildung des Schilddrüsenhormons benötigt.
Vitamin B6

5 mg

Zink

30 mg

In Verbindung mit Vit.A ist Zn wichtig bei der Bildung des Schilddrüsenhormons.

Quellen

Gröber, Uwe; Orthomolekulare Medizin, 2.Aufl., Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2002.

Zimmermann, Michael; et al.; Burgersteins Handbuch der Nährstoffe, Haug Verlag, Heidelberg, 2002.

Mutschler, E.  et al., Arzneimittelwirkungen, 8., völlig neu bearb. u. erweit. Aufl., wiss. Verl. Ges. mbH, Stuttgart, 2001.

http://office.pharmxplorer.at/sec/apo/px/hwshowdoc.php?goid=0000009606

http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2424839/pdf/postmedj00240-0024.pdf

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