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Riboflavin – ein wichtiger Vertreter der B-Vitamine

Vitamin B2 wird auch als Riboflavin oder Lactoflavin bezeichnet und gehört zu den wasserlöslichen Vitaminen. Es wurde 1920 entdeckt (erstmals aus Eiern isoliert), kommt in der Natur als gelblicher Pflanzenfarbstoff vor und kann nur von Pflanzen und Mikroorganismen gebildet werden. Der menschliche Körper kann das Vitamin aus tierischen Produkten besser resorbieren als aus Pflanzen.

Biochemisch hat Vitamin B2 eine wichtige Funktion im Energiestoffwechsel beim Abbau von Kohlenhydraten und Fetten.

In der Orthomolekularen Medizin wird es bei Haut- und Schleimhauterkrankungen, bei Diabetes mellitus, bei Migräne und zur Unterstützung der Sehfunktion eingesetzt.

Vorkommen

Riboflavin ist in der Tier- und Pflanzenwelt weit verbreitet. Reich an Vit.B2 sind Bierhefe (3,7mg/100g), Schweineleber (3,2mg/100g), Spinat (0,2mg/100g), Spargel, Broccoli, Joghurt (0,18mg/100g), Champignons (0,4mg/100g), Milch (1-2mg/100g), Schokolade.

Pflanzliche und tierische Lebensmittel enthalten fast ausschließlich biologisch aktive Flavine und nur Spuren von freiem Riboflavin. Dabei sind die Flavinocoenzyme FMN und FAD vorwiegend in Form biologisch aktiver Enzyme gebunden. Eine Ausnahme bilden Milch und Milchprodukte, da über die Milch freies Riboflavin ausgeschieden wird.
Da Riboflavin hitzeresistent ist, treten praktisch keine Kochverluste auf. Es gehen zwar beachtliche Mengen des wasserlöslichen Vitamins in das Kochwasser über, wenn dieses aber bei der weiteren Zubereitung mitverwendet wird, sind die Verluste zu vernachlässigen. Zu beachten ist jedoch, dass Riboflavin extrem lichtempfindlich ist und unter Lichtschutz gelagert werden soll, da es sonst photolytisch leicht zu Lumiflavin oder Lumichrom zersetzt wird, die hinsichtlich der Vitaminwirkung inaktiv sind. Wird Milch z.B. in Klarglasflaschen gelagert und gleichzeitig dem Sonnenlicht ausgesetzt, dann können die Vitaminverluste durch Zersetzung bis zu 50% betragen.

Stoffwechsel

Riboflavin wird überwiegend im proximalen Dünndarm über einen aktiven und sättigbaren Transportmechanismus resorbiert. Bei höheren Konzentrationen wird ein Teil über passive Diffusion aufgenommen. Im Nahrungsverbund wird seine Aufnahme ebenso wie durch Gallensäuren gesteigert. Im Plasma wird es proteingebunden (Plasmaalbumine, Globuline) transportiert.
Riboflavin wird nach seiner Resorption in der intestinalen Mucosa zu Riboflavin-5-phosphorsäure (FMN = Flavinmononucleotid) phosphoryliert. Aus diesem entsteht mit Adenosinmonophosphat das Flavin-Adenin-Dinucleotid (FAD).

Bedarf

Der Riboflavinbedarf ist, wie auch der Thiaminbedarf, abhängig von der Energiezufuhr und der physischen Aktivität.

Vitamin B2 muss auch regelmäßig zugeführt werden, da der Körper Reserven für nur etwa 2-4 Wochen anlegen kann (vor allem in Leber, Nieren und Herz).

Physiologische Bedeutung

Vitamin B2 besitzt folgende physiologische Bedeutung:

  • es ist Coenzym im oxidativen Stoffwechsel
  • dient der Energieproduktion (über die Atmungskette)
  • ist beim Fettsäure,- Kohlenhydrat- und Aminosäurestoffwechsel beteiligt
  • wird für Haut, Haare, Nägel, Sehschärfe, Wachstum, Fitness, Zellenergie und Zellatmung benötigt
  • weist antioxidative Wirkungen in den Zellen auf
  • fungiert bei der Aufrechterhaltung von Zellmembranen

Wirkungsmechanismus

Riboflavin liegt im Körper nur in geringen Mengen frei vor, der Großteil ist gebunden als FMN und mehr noch als FAD.
FMN und FAD fungieren als Coenzyme der Flavinenzyme (Flavoproteide) und spielen eine wichtige Rolle für die Wasserstoffübertragung in der Atmungskette.

Flavinmononucleotid (FMN) ist Bestandteil

  • des Komplexes I der Atmungskette und auch
  • der L-Aminooxidase.

Flavoproteine sind beteiligt bei

  • Oxidativen Desaminierungen
  • Dehydrierungen von –CH2-CH2- Bindungen zu -C=C- Doppelbindungen
  • Oxidationen von Aldehyden zu Säuren
  • Transhydrogenierungen

Ein wichtiges biologisches Redoxsystem stellt die flavinabhängige Glutathionreduktase zusammen mit der selenabhängigen GSH-Peroxidase dar.

GSSG: oxidiertes Glutathion; GSH: reduziertes Glutathion; NADP+: Nicotinamidadenindinukleotidphosphat

Dieses Redoxsystem zählt zu den

  • wichtigsten endogenen antioxidativen Schutzsystemen

Die GSH-Reduktase trägt dazu bei,

  • die gelösten Linsenproteine in der Augenlinse und im Glaskörper zu stabilisieren

Flavinhaltige Monooxygenasen sind neben Cytochrom-P-450-Enzymen an der

Entgiftung von Xenobiotika beteiligt

Mangel

Riboflavinmangel tritt selten isoliert auf. Die Symptome sind relativ uncharakteristisch und zeigen sich in Antriebsschwäche, depressiver Verstimmung, Mundwinkelrhagaden, Glossitis, Konjunktivitis, Lichtempfindlichkeit und Trübungen der Augenlinse. Weiters wurden Störungen der intestinalen Eisenresorption bei Mobilisierung und Transport des Ferritins beobachtet.

In westl. Industriestaaten besteht die Gefahr eines Mangels vorwiegend für ältere Menschen und Personen mit Alkoholabusus. Auch Arzneimittel, Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum, erhöhte Stressbelastung, Erkrankungen (Krebs, Diabetes, Hypothyreose, Darmmykosen, Druchfall) und Phototherapie können Ursache für einen erhöhten Bedarf an Riboflavin sein. Weiters weisen Vegetarier und Raucher einen Mehrbedarf an Vitamin B2 auf.

Unerwünschte Wirkungen / Toxizität

Intoxikationen wurden beim Menschen selbst bei höchsten Dosen bisher nicht beobachtet. Die auftretende intensive Gelbfärbung des Urins ist harmlos.

Interaktionen

Phenothiazin, Promethazin und trizykl. Antidepressiva wie Imipramin und Amitryptilin inhibieren auf Grund eines strukturellen Antagonismus die Flavokinase und führen zu einem Riboflavinmangel.

Auch bei langzeitiger Einnahme oraler Kontrazeptiva ist der Vit.B2-Status gesenkt.

Gallensäuren steigern die Riboflavinaufnahme.

Anwendungen

Allergie, Darmerkrankung, Depressionen, Diabetes mellitus, Entgiftung von Xenobiotika, Glossitis, Mundwinkelrhagaden, Neurodermitis, Migräne, Hypothyreose, Lichtempfindlichkeit, Fremdkörpergefühl in den Augen, Katarakt, Konjunktivitis

Siehe dazu PharmXplorer-Office/Mirkonährstoffe/Zusatzmedikation

Quellen

Gröber, Uwe; Orthomolekulare Medizin, 2.Aufl., Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2002.

Bässler, Karl-Heinz et al., Vitamin-Lexikon, Gustav Fischer Verlag, Stuttgart, u.a., 1992.

Biesalski, Hans Konrad; et al.; Ernährungsmedizin, 3., erweit. Aufl., Georg Thieme Verlag, Stuttgart, u.a., 2004.

Biesalski, Hans Konrad; et al.; Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe, Georg Thieme Verlag, Stuttgart, u.a., 2002.

Gröber, Uwe; Arzneimittel und Mikronährstoffe, Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2007.

Fuchs, Norbert; Mit Nährstoffen heilen, Eine Einführung in die komplexe Orthomolekulare Nährstoff-Therapie, 3.überarbeit. u. erweit. Aufl., Ralf Reglin Verlag, Köln, 2007.

Niestroj, I.; Praxis der Orthomolekularen Medizin, 2. durchges. Aufl., Hippokrates Verl., Stuttgart, 1999, 2000.

http://office.pharmxplorer.at/sec/apo/px/hwshowdoc.php?doc=W10VM03

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