Plattformen: Focus | News & Blog | Office | Advance | Academic

Orthomolekulare Medizin – Zusammenhang zwischen Mikronährstoffen und Demenz

Demenz ist gekennzeichnet durch einen fortschreitenden Untergang von Hirnzellen, der verlangsamtes Denken, den Verlust von Erinnerungen (insbesondere neueren Datums), Verwirrung und Orientierungsschwierigkeiten zur Folge hat und zu einer starken Beeinträchtigung von Alltagsaktivitäten bis hin zur Pflegebedürftigkeit führt.

Demenzerkrankungen gehen oft mit einem verminderten Spiegel an einzelnen Mikronährstoffen einher.

Dazu kommt, dass im Alter eine ausgewogene Ernährung oft nicht mehr erreicht wird und die Resorption von essentiellen Nährstoffen aus der Nahrung eingeschränkt ist.

Nach den Ergebnissen internationaler Untersuchungen nimmt das Risiko an einer Demenz vom Alzheimer-Typ (DAT) zu erkranken mit der diätetischen Zufuhr antioxidativer (Vitamin C, Flavonoide) und neuroprotektiver (Folsäure, Vitamin B12) Nährstoffe ab.

Ernährungsempfehlung

Eine vollwertige, an frischem Obst und Gemüse reiche (5-a-day) Ernährung, wie sie etwa der mediterranen Kost entspricht, erhöht nicht nur die Lebenserwartung sondern kann auch dazu beitragen, das individuelle Alzheimer-Risiko zu reduzieren.

Weiters scheint auch die Zusammensetzung des Nahrungsfetts das DAT-Risiko zu beeinflussen: ein hoher Anteil an gesättigtem tierischen Fett und Cholesterin steigert das DAT-Risiko, während die regelmäßige Aufnahme von Omega-3-Fettsäuren (Seefisch) eine protektive Wirkung ausübt.

Alkoholkonsum

Von übermäßigem Alkoholkonsum wird abgeraten, da Alkohol direkt und indirekt über den Verlust an B-Vitaminen und Hyperhomocysteinämie toxisch auf die Gehirnzellen wirkt.

Aluminiumbelastung

Epidemiologische Untersuchungen ergaben einen Zusammenhang zwischen einer erhöhten Aluminiumbelastung des Trinkwassers und dem gehäuften Auftreten von Alzheimer. Das ubiquitär vorkommende Aluminium wirkt als starkes Neurotoxin, dessen Wirkung vermutlich auf der Freisetzung von Eisen aus der Ferritin-Bindung beruht. Obwohl der Kausalzusammenhang zwischen Aluminium und DAT noch spekulativ ist, sollten mit Aluminium belastete Lebensmittel und Kochgeschirre aus Aluminium gemieden werden.

Besondere Hinweise

  • Regelmäßiger Denksport wie Puzzlespiele, Brettspiele, Kreuzworträtsel lösen und Zeitung lesen kann das Risiko im Alter an Alzheimer zu erkranken, um fast die Hälfte senken. Reisen, komplizierte Strickarbeiten, anspruchsvolle Gartenarbeit, sowie alle fordernden Tätigkeiten, die bis ins hohe Alter betrieben werden, scheinen sich ebenfalls günstig auszuwirken.
  • Neuere Studien zeigen auch, dass Musiktherapie, beziehungsweise das aktive Ausüben von Musik einen positiven Einfluss auf die Erkrankung haben.

Anwendungsmöglichkeiten von Mikronährstoffen

Anwendungsmöglichkeiten von Mikronährstoffen in der orthomolekularen Medizin sind auf PharmXplorer-Office ausführlich verfügbar

Nährstoffempfehlungen bei Demenz

Nährstoff

Empfohlene Tagesdosis

Kommentare

Vitamin C 1000,0 – 3000,0 mg Das ß-Amyloid-Protein induziert durch die Akkumulation von Peroxiden in kortikalen Neuronen oxidative Schäden der Membranlipide. Die im Rahmen der Lipidperoxidation ablaufenden Kettenreaktionen werden durch die neuroprotektiven Vitamine C und E gehemmt.
Vitamin E 1000 – 2000 I.E.
Alfa-Liponsäure 600 mg Als Coenzym mitochondrialer Multienzymkomplexe ist das Vitaminoid essentiell für den Glucose- und Energiestoffwechsel der Nervenzelle. Das Redoxsystem alfa-Liponsäure/Dihydroliponsäure wirkt als Antioxidans sowohl im lipophilen als auch im hydrophilen Kompartiment und schützt Proteine, Lipide und die DNA vor der oxidativen Zerstörung durch freie Radikale und reaktive Sauerstoffspezies.
Coenzym Q10 60 – 300 mg Antioxidantien können vor dem Verlust von Hirnzellen schützen. Coenzym Q10 trägt auch zur Stabilisation der Zellmembranen bei.
Vitamin B-Kplx 50 -100 mg B-Vitamine verbessern den Energiestoffwechsel und die Hirndurchblutung.
Benfotiamin 150 – 300 mg Da die orale Bioverfügbarkeit von Thiaminnitrat oder -HCL begrenzt ist, empfiehlt sich die Gabe des lipophilen Thiamin-Prodrugs Benfotiamin.
Vitamin B1 3000 – 8000 mg Thiamin spielt eine Schlüsselrolle bei der Reizleitung und Reizübertragung von Nervenimpulsen im zentralen und peripheren Nervensystem und ist am Stoffwechsel der Neurotransmitter des adrenergen, cholinergen und serotonergen Systems beteiligt.
Folsäure 1 – 5 mg Ein Mangel an Folsäure führt zu Erinnerungslücken, Erschöpfungszuständen und Verwirrung.
Vitamin B12 1.Woche: 1mg/d (i.m.)

Dann: 0,5-1mg/1-3 Mo. (i.m.)

Viele ältere Menschen nehmen Vit.B12 schlecht aus der Nahrung auf.
Omega-3-FS 1,5 – 4 g Die Entwicklung und das Fortschreiten der Demenz steht in Verbindung mit einer Verarmung des ZNS an Omega-3-Fettsäuren (speziell der Docosahexaensäure) und einer Erhöhung proinflammatorischer Zytokine in der Zerebrospinalflüssigkeit.
N-Acetyl-L-Carnitin 2000 – 6000 mg L-Carnitin leitet die Ausschüttung von Acetylcholin im Gehirn ein, es wirkt neuroprotektiv und kann die Gehirnfunktion verbessern.
Selen 100 – 400 mcg Antioxidantien können vor dem Verlust von Hirnzellen schützen.
Magnesium 300 – 500 mg Magnesium ist beteiligt an der Erregungsleitung und der Erregungsübertragung der Nervenzellen.
Zink 10 – 15 mg

(z.B. Aspartat, Orotat, Histitin)

Der Zinkspiegel im Gehirn von Alzheimer-Patienten ist vermindert. Zinkmangel kann den Verlust von Hirnzellen beschleunigen. Supplemente können helfen, gegen Aluminiumvergiftungen vorzubeugen.

Zusatzempfehlung

Ginkgo biloba (Egb 761) 120 -240 mg

(z.B. 3 x 80 mg/d)

Ginkgo führt zu einer besseren Gehirndurchblutung, zu einer Steigerung der Gedächtnisleistung und des Lernvermögens. Außerdem kann Ginkgo bei Drehschwindel zu einer Besserung führen.
Pyritinol (B6-Derivat) 600 mg (3 x 200 mg/d) Das Vitamin B6-Derivat Pyritinol (EncephabolR) reduziert im ZNS die Radikalgenerierung und verbessert den gestörten Hirnstoffwechsel. Es wurden günstige Wirkungen auf den cerebralen Glukosestoffwechsel, den Proteinstoffwechsel und den neuronalen Phospholipid- und Acetylcholinstoffwechsel festgestellt.

Quellen

Gröber, Uwe; Orthomolekulare Medizin, 2.Aufl., Wiss. Verlagsges., Stuttgart, 2002.

Zimmermann, Michael; et al.; Burgersteins Handbuch der Nährstoffe, Haug Verlag, Heidelberg, 2000.

Schlieper Cornelia A., Grundfragen der Ernährung, 17., aktual. Aufl., Verl. Dr. Felix Büchner, Hamburg, 2004.

DAZ, Mittelmeerdiät: Essen gegen das Vergessen, Ernährung aktuell, 06/19, (11-05-2006), [Quelle: Annals of Neurology, Online-Vorabpublikation, DOI: 10.1002/ana.20854].

Fessler, Beate; Strategien gegen Demenz, Gehirnjogging, Psychomotorik und Ginkgo halten Alte länger fit, DAZ, 07/07, 39-40, (15-02-2007), [Quelle: W. Oswald, Erlangen: "Geistig fit im Alter: Strategien gegen das Vergessen", München, 18. Juli 2006, veranstaltet von der Ratiopharm GmbH, Ulm].

Jäncke, Lutz; Musik, Musikbildung und Hirnforschung, Fachtagung Forum Burgdorf, 22. April 2005. http://www.ais-ag.ch/Dokumente/Jaencke-etc/Vortrag_Jaencke_Burgdorf.pdf (29.9. 2007).

Haffelder, Günter; Cerebrale Schädigungen überwinden – “Ein- Blick” in die Gehirnforschung, Institut für Kommunikation und Gehirnforschung, Stuttgart, http://www.haffelder.de/medizin2.html (29.9.2007).

Tags: , , , ,

3 Kommentare zu “Orthomolekulare Medizin – Zusammenhang zwischen Mikronährstoffen und Demenz”

  1. [...] Blog zum Thema Orthomolekulare Medizin ++ Bericht über Orthomolekulare Medizin ++ Gesunde Ernährung mit Orthomolekularer [...]

  2. endlich mal eine untermauerte Empfehlung – allerdings taucht hier Arginin gar nicht auf … ?

  3. ehaas sagt:

    Über die Freisetzung von NO, welches ein zentraler Botenstoff für das Gedächtnis, das Lernen und den Geruchssinn ist, könnte L-Arginin zusammen mit Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6 auch eine Bedeutung zur Prävention von Demenzerkrankungen haben.

Artikel kommentieren