Inkretin-Hormone
Inkretin-Hormone sind Darmhormone, die im Dünndarm gebildet werden und nach Nahrungsaufnahme (postprandial) ins Blut abgegeben werden, um schließlich aus den B-Zellen des Pankreas das Glucose-induzierte Insulin bedarfsgerecht freizusetzen. Dieser Effekt kann nach oraler Gabe, nicht aber nach parenteralen Zufuhr von Glucose beobachtet werden („inkretin Effekt“).
Bislang kennt man 2 „Inkretin-Hormone“:
- GIP Gastrisches inhibitorisches Peptid
- GLP-1 Glukagon-like-peptid
GIP / gastric inhibitory peptide / Glucose-dependent-insulin-releasing polypeptide
GIP wird von den K-Zellen im Duodenum und proximalen Jejunum ausgeschieden
GLP-1 / Gluckagon-like-peptide-1
GLP-1 stammt aus den L-Zellen im Ileum und Kolon.
Die Sekretion beider Hormone wird durch die orale Nahrungsaufnahme ausgelöst.
Nachfolgende Tabelle zeigt die Lokalisation der Hormone, die an der „Glucose-Regulation“ beteiligt sind.

GIP vermittelt nur 30-50% des Inkretineffektes, der volle Effekt wird durch das Zusammenspiel von GIP und GLP-1 erreicht.
Wirkung
➢ GLP-1 führt in den B-Zellen zur Steigerung der Glucose-abhängigen Insulin-Sekretion. (Durch erhöhte Transkription des Insulin-Gens und durch Anstieg der Aktivität Insulin-produzierenden B-Zellen)
➢ In den A-Zellen kommt es zur Reduktion der Glucagon-Sekretion.
➢ GLP-1 vermindert über zentrale Effekte den Appetit durch Steigerung des Sättigungsgefühls.
➢ Die Magenentleerung wird durch Relaxation des Magengrunds verzögert.
HM05B015
Wirkungsmechanismus
In den B-Zellen des Pankreas befinden sich so genannte GLP-1-Rezeptoren. Bindet GLP-1 an diesen G-Protein-gekoppelten Rezeptor, so kommt es zur Aktivierung der Adenylatcyclase. Dadurch steigt die intrazelluläre Konzentration von cyclischem Adenosinmonophosphat (cAMP), wodurch die Proteinkinase A aktiviert wird. Dadurch werden ATP-abhängige K-Kanäle geschlossen, wodurch wiederum spannungsabhängige Ca-Kanäle geöffnet werden, was schlussendlich einen erhöhten Ca-Einstrom und eine erhöhte Insulin-Freisetzung aus den Granula der B-Zellen zur Folge hat.
Andererseits stimuliert GLP-1 die Transkription und somit die Expression des Insulin-Gens. Als Folge davon produzieren die B-Zellen mehr Insulin.
Durch diese dualistische Wirkung beeinflusst GLP-1 direkt und indirekt die Insulin-Sekretion.
Bildung und Metabolisierung
GLP-1 ist ein Peptid, bestehend aus 30 Aminosäuren. Seine Sequenz ist im Proglucagon-Gen kodiert.
GLP-1 wird in der Blutbahn und den Geweben durch Proteasen rasch hydrolysiert. Verantwortlich dafür ist die ubiquitär vorkommende Dipeptidylpeptidase (DPP-IV).
Durch Hemmung des Abbaus von GLP-1 durch die DPP-IV kann die Wirkung von GLP-1 verlängert werden.
Während beim Typ-2-Diabetiker die GIP-Sekretion unbeeinflusst ist, ist die Ausschüttung von GLP-1 vermindert. Unbeeinflusst davon bleibt jedoch die Signaltransduktion. Daher ist bei den Typ-2-Diabetikern nur eine GLP-1-Rezeptorstimulation durch exogen zugeführtes GLP-1 bzw. GLP-1-Analoga sinnvoll.
Tags: A-Zellen, Antidiabetika, B-Zellen, Darmhormone, gastric inhibitory peptide, GIP, GLP-1, Glucagon, Gluckagon-like-peptide-1, Glucose, Glucose-dependent-insulin-releasing polypeptide, inkretin Effekt, Inkretin-Hotmone, Insulin, K-Zellen, L-Zellen






[...] Inkretin-Hormone [...]